Archiv 2005
1.7. Freitag
Eröffnungsfilm
Some Came Running
US 1959. Regie: Vincente Minnelli.
Mit Frank Sinatra, Dean Martin, Shirley MacLaine, Martha Hyer, Arthur Kennedy.
136 min. OF
Farben wie im Inneren einer Musicbox. Sinatra als Schriftsteller, der im Krieg das Schreiben und Lieben verlernt hat, kehrt nach Hause in die Provinz zurück, gibt seiner furchtbar intellektuellen Verlobten den Laufpass, freundet sich mit einem trinkfesten Spieler an (guess who!) und stürzt sich Hals über Kopf in die Ehe mit einem leichten Mädchen. Schlicht hinreißendes Melodram, nach Pulp Fiction von James Jones. Einziger Wermutstropfen (für Rat-Pack-Fans): Frank und Dino singen nichts.
2.7. Samstag
Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb (Gyakufunsha kazoku)
J 1984. Regie: Sogo Ishii. Mit Katsuya Kobayashi, Mitsuko Baisho, Yoshiki Arizono, Youki Kudoh.
106 min. OmU
Eine ganz normale Familie probt den Vernichtungskrieg. Kaum haben die Kobayashis ihr neues Eigenheim in einem Vorort von Tokio bezogen, kündigt eine Termite aufziehendes Unheil an. Das vermeintliche Insektennest unter dem Wohnzimmerboden dient als Symbol für die Abgründe hinter der gutbürgerlichen Fassade des japanischen Mittelstandes: Je größer das Loch wird, das Herr Kobayashi in den Estrich bohrt, desto weiter greifen familiäre Gewalt und sexuelle Fantasien um sich. Wahnsinn rules okay, ein Film aus dem Geist des Punk.
3.7. Sonntag
The African Queen
US 1951. Regie: John Huston. Mit Humphrey Bogart, Katharine Hepburn, Robert Morley, Theodore Bikel.
105 min. Omd/fU
Battle of the sexes. Eine altjungfräuliche Methodistenschwester und ein Seebär mit schlechten Manieren schippern auf der Flucht vor dem Ersten Weltkrieg in einem abgetakelten Kahn einen Fluss in Deutsch-Ostafrika hinunter. Während ihrer gefahrvollen Reise fängt zwischen Katharine und Humphrey eine spröde Romanze zu sprießen an. „Was er machte, machte er besser als jeder andere“, schreibt Francois Truffaut über Bogarts leider einzigen Ausflug ins komische Fach, „seine Hemden hätte man auswringen können, so schwitzte er, wenn er schwitzte.“
4.7. Montag
Don't Look Now
UK/I 1973. Regie: Nicolas Roeg. Mit Julie Christie, Donald Sutherland, Hilary Mason, Massimo Serato.
110 min. OF
Tod in Venedig, ein Psychothriller, dessen Erzählung so labyrinthisch ist wie sein Schauplatz. Bei einem Unfall haben die Baxters ihre kleine Tochter verloren. Seither wird John von traumatischen Erinnerungen, Laura von bösen Vorahnungen geplagt. Eine blinde Seherin, eine Krähe, die Spuren eines Serienkillers geben Rätsel auf. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fließen ineinander, so unaufhaltsam wie die flüchtigen Bilder dieses Films. Eine freudsche Angstfantasie, ein morbider Alptraum, ein Meisterwerk des britischen Kinos.
5.7. Dienstag
Flakturm Augarten
Ö 1993. Regie: Kurt Palm. 19 min.
To Be or Not to Be
US 1942. Regie: Ernst Lubitsch. Mit Jack Benny, Carole Lombard, Robert Stack, Sig Ruman, Felix Bressart, Lionel Atwill, Helmut Dantine.
99 min. Omd/fU
Auftritt des Führers: ,,Heil Hitler!“, der grüßt zurück: „Heil myself!“. Alles nur Theater, in Warschau proben Schauspieler ein Anti-Nazi-Stück. Wenig später kommen die Deutschen wirklich, und ein irrwitziges Meisterwerk nimmt seinen Lauf. „Ich habe drei Todsünden begangen“, verriet Lubitsch sein Rezept. „Ich habe die üblichen Genres missachtet, als ich Melodram mit Farce verband, ich habe unsere Kriegsziele gefährdet, weil ich die Nazibedrohung verharmloste, und ich habe außerordentlich schlechten Geschmack bewiesen, weil ich Polen als Schauplatz für eine Komödie wählte.“ So wird's gemacht!
6.7. Mittwoch
MAD BRAINS: Les yeux sans visage
F/I 1959. Regie: Georges Franju. Mit Pierre Brasseur, Alida Valli, Edith Scob, François Guérin, Alexandre Rignault, Claude Brasseur.
90 min. OmeU
Ein angesehener Chirurg schickt seine treuergebene Assistentin aus, um in den Straßen von Paris hübsche junge Mädchen aufzusammeln und in sein Haus zu lotsen. Zweck der blutigen Operation: er, der einst Schuld an einem Unfall war, versucht mithilfe Frischfleischs das entstellte Antlitz seiner Tochter wiederherzustellen. Einem unirdischen Wesen gleich irrt die Tochter mit weisser Maske durch die Flure. Kunstvoll schauriger Horror, von Kameravirtuose Eugen Schüfftan in Bilder von bestürzender Schönheit gesetzt.
7.7. Donnerstag
The Syrian Bride
Israel/F/D 2004. Regie: Eran Riklis. Mit Hiam Abbass, Makram J. Khoury, Clara Khoury, Ashraf Barhoum, Eyad Sheety, Evelyn Kaplun.
97 min. OmU
Die Drusin Mona, die mit ihrer Familie in einem von den Israelis besetzten Dorf auf den Golanhöhen lebt, soll einen syrischen TV-Star heiraten, den sie noch nie getroffen hat. Doch sobald sie zu ihrem Mann über die Grenze nach Syrien geht, verliert sie die Berechtigung zur Wiedereinreise und wird ihre Familie nie mehr sehen. Am Tag der Hochzeit kommt es zu unerwarteten Komplikationen. Eran Riklis über seine Tragikomödie: „Ich habe diesen Film aus Liebe geschaffen, als Beitrag zu mehr Mitgefühl, Verständnis und Toleranz.“
8.7. Freitag
The Pink Panther – A Shot in the Dark
UK 1964. Regie: Blake Edwards. Mit Peter Sellers, Elke Sommer, Herbert Lom, George Sanders, Tracy Reed, Burt Kwouk.
101 min. OF
Chaos de luxe. Inspektor Clouseau soll den Mord an einem Millionär aufklären, verliebt sich aber gleich mal in die Hauptverdächtige und treibt seinen neuen Chef an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Der beste Film der „Rosarote-Panther“-Reihe, absoluter Höhepunkt: die verdeckten Ermittlungen in einem Nudistencamp. Peter Sellers, von stoischer Ignoranz und zugleich akrobatisch steifer Körperkomik, zeigt seine gespaltene Persönlichkeit – ungefähr so, als wäre er Laurel und Hardy in einem.
9.7. Samstag
Lost Highway
US 1997. Regie: David Lynch. Mit Patricia Arquette, Bill Pullman, Robert Blake, Balthazar Getty, Michael Massee.
134 min. OmU
„Ich erinnere mich an die Dinge lieber auf meine Art, nicht unbedingt wie sie passiert sind“, sagt Fred Madison, kurz bevor er auf mysteriöse Weise aus dem Film verschwindet. Fred war Musiker, verheiratet und lebte in einer Villa in Los Angeles. Dann kam dieses Videoband, das seine Frau ermordet im Schlafzimmer zeigte. Damit fing alles an, der Kriminalfall, die Amnesie, das Verschwinden. Lost Highway : eine filmische Endlosschleife, ein déjà vue, eine Hommage ans Kino von Maya Deren bis Robert Aldrich.
10.7. Sonntag
Le charme discret de la bourgeoisie
F/I/E 1972. Regie: Luis Buñuel. Mit Fernando Rey, Delphine Seyrig, Bulle Ogier, Stéphane Audran, Paul Frankeur, Jean-Pierre Cassel, Michel Piccoli.
102 min. OmeU
Drei reiche Paare wollen sich zum Abendessen treffen – und scheitern einen Film lang daran. Der berühmteste unter Buñuels späten Filmen, und einer seiner besten. Eine Gesellschaftskomödie, die ihren geheimnisvollen Witz aus der permanenten Umleitung bezieht – ihr Fortschreiten eine Serie von Abschweifungen, Unterbrechungen und Einschüben (inklusive Geschichten-in-Geschichten). Perfekt besetzt mit einer Starriege des damaligen französischen Kinos, die der fröhlichen Subversion eine nahezu mythische Dimension verleiht.
11.7. Montag
MAD BRAINS: Altered States
US 1980. Regie: Ken Russell. Mit William Hurt, Blair Brown, Bob Balaban, Charles Haid, Thaao Penghlis, Drew Barrymore.
102 min. OF
William Hurt (in seinem Debüt) als Bewusstseinsforscher, der auf eine höhere Daseinsebene vorstossen will, indem er mit halluzinogenen Drogen im Isolationstank experimentiert. Während er einer Vision des kollektiven Unterbewussten näher zu kommen glaubt, beginnt sein Körper rapide zu verfallen. Eine Allegorie, vom exzentrischen Stilisten Ken Russell, der ohnehin gern wie ein mad scientist inszenierte, weniger profund als psychedelisch angelegt: Rasant, gutaussehend und geisteskrank (unsterbliche Dialogzeile: „This is your brain on drugs“).
12.7. Dienstag
One Plus One / Sympathy for the Devil
UK 1968. Regie: Jean-Luc Godard. Mit den Rolling Stones, Anne Wiazemsky, Ian Quarrier, Marianne Faithfull, Anita Pallenberg.
99 min. OmeU
Zivilisation im Zerfall, im Zentrum die Entwicklung eines der größten Pop-Songs der Sixties: Die Rolling Stones hocken im Aufnahmestudio, erarbeiten sich mühsam „Sympathy for the Devil“. Godard zeigt dem Musikfilm-Zeitgeist die Zunge und verzeichnet das ultra-spartanisch, während der Musikblock regelmäßig von protorevolutionären Vignetten unterbrochen wird: Am Londoner Autofriedhof wird Black-Power-Theater gespielt, im Pornoladen aus „Mein Kampf“ vorgelesen, und ein Mädchen namens „Eve Democracy“ hat auf alle Fragen nur zwei Antworten: Ja und Nein.
13.7. Mittwoch
Mudhoney
US 1965. Regie: Russ Meyer. Mit Hal Hopper, Antoinette Christiani, John Furlong, Rena Horten, Princess Livingston, Lorna Maitland.
92 min. OF
Ein vernachlässigtes Meisterwerk des seligen Sexfilmkönigs Russ Meyer, ein komplexes gotisches Melodram in schwitzendem Schwarzweiß. Sexuelle Hysterie und bigotte Kleinstadtmoral irgendwo im US-Hinterland. In Schlüsselrollen: ein fanatischer Prediger, eine terrorisierte Einwohnerschaft, die sich schließlich zum Lynchmob zusammenrottet und eine Hillbilly-Familie, „deren Genmaterial offenbar in allen Bereichen defekt ist, die nicht direkt für das Wachstum der Brüste ausschlaggebend sind “ (Roger Ebert). Würdige Werbezeile: „Mudhoney . . . leaves a taste of evil!“
14.7. Donnerstag
Last Life in the Universe
Thai/J 2003. Regie: Pen-ek Ratanaruang. Mit Tadanobu Asano, Sinitta Boonyasak, Laila Boonyasak, Yutaka Matsushige, Riki Takeuchi, Takashi Miike.
112 min. Omd/fU
Ein höflicher, suizidaler Japaner, der als Bibliothekar in Bangkok arbeitet, lernt eine Thailänderin kennen, die um ihre tote Schwester trauert. Als sich ein Trupp Yakuza-Gangster (heiter verkörpert von Kultregisseur Takashi Miike und seiner Darsteller-Gang) auf seine Fersen heftet, versteckt er sich in ihrem stillen, unordentlichen Haus. Eine schöne pan-asiatische Romanze, deren traumgleiche Atmosphäre mit trockenem Humor und magischem Realismus angereichert ist. Für die hochelegante Kameraarbeit zeichnet Chris Doyle.
15.7. Freitag
Rebel Without a Cause
US 1955. Regie: Nicholas Ray. Mit James Dean, Natalie Wood, Sal Mineo, Jim Backus, Rochelle Hudson, Corey Allen, Dennis Hopper.
111 min. OmU
Einer der Filme, die man einfach gesehen haben muss . Nur der Titel ist Quatsch. Jim Stark ist kein Rebell, sondern ein Romantiker. Einer, der seine Eltern nicht mehr ertragen kann, und sich deshalb seine eigene Familie zusammensucht: ein Mädel (Natalie Wood) und einen „Adoptivsohn“ (Sal Mineo). Wenn hier einer rebelliert, so James Dean selbst. Jede Geste, jede Haltung, jede Mimik sind eine Ohrfeige für die psychologische Schauspieltradition.
16.7. Samstag
MAD BRAINS: Save the Green Planet!
Südkorea 2003. Regie: Jeong Jun-hwan. Mit Shin Ha-kyun, Baek Yun-shik, Hwang Jeong-min, Lee Jae-yong, Lee Ju-hyeon, Gi Ju-bong.
118 min. OF
Bei der nächsten Mondfinsternis wird der Prinz von Andromeda auf ein Signal seiner irdischen Komplizen hin die Welt erobern. Nur Lee Byong-gu kann die Erde retten: In selbstgebastelter Superheldenuniform entführt er einen wichtigen Manager (und vermeintlichen Alien-Agenten), um im heimischen Untergrundlabor die Wahrheit aus ihm zu foltern. Vielleicht spinnt Lee aber einfach auch nur. Und es wäre auch Wahnsinn, mehr als die Eröffnung dieses im Minutentakt Überraschungen auftischenden, hochrasanten, mühelosen Genre-Crossover-Geniestreichs zu verraten.
17.7. Sonntag
Charade
US 1963. Regie: Stanley Donen.
Mit Cary Grant, Audrey Hepburn, Walter Matthau, James Coburn, George Kennedy.
114 min. OmfU
Man kann sich Charade ungefähr so vorstellen, als träfe Alfred Hitchcock den Rosaroten Panther zum Rendezvous: Als ziemlich verqueren Spaß, rund um einen geheimnisvollen Amerikaner, der sich einer jungen Französin aufdrängt, deren Ehemann noch rasch eine Viertelmillion Dollar auf die Seite geschafft haben soll, bevor dieser selbst von seinen Kumpanen beiseite geschafft wurde. Paris sizzles, die Kamera steht unter Drogen und Walter Matthau stiehlt den zwei bestens gelaunten Stars mürrisch wie eh und je beinahe die Show.
18.7. Montag
East of Eden
US 1955. Regie: Elia Kazan. Mit James Dean, Julie Harris, Raymond Massey, Jo Van Fleet, Richard Davalos, Burl Ives, Albert Dekker.
115 min. Omd/fU
Kain und Abel in Kalifornien anno 1917. Mit alttestamentarischem Ingrimm schildert der Film den Kampf zweier Brüder um die Zuneigung ihres unnahbar hartherzigen Vaters. Schließlich weiß Cal keinen anderen Weg mehr, als die Familie zu zerstören und konfrontiert Aron mit der Identität seiner verstoßenen Mutter: Sie lebt als Prostituierte in der nahen Stadt. James Dean stattete Cal, seine erste Hauptrolle, mit einer spastischen Leidensfähigkeit aus, die das alte Hollywood zutiefst erschütterte. „Ich nahm Jimmy, weil er Cal war . Er hatte was gegen alle Väter.“ (Elia Kazan)
19.7. Dienstag
Fahrenheit 451
UK 1966. Regie: François Truffaut. Mit Oskar Werner, Julie Christie, Cyril Cusack, Anton Diffring, Bee Duffell, Mark Lester.
111 min. OF
Rot dominiert den Film: Rot ist die Feuerwache, rot sind die Feuerwehrwagen und rot sind die Flammen, die emporlodern, wenn Montag und seine Kollegen ausrücken und Bücher verbrennen. Fahrenheit 451 , nach dem Roman von Ray Bradbury gedreht, zeichnet eine heißkalte Zukunftsvision, die im Nazismus ihr reales Vorbild hat. Lesen steht unter Strafe, weil es die Menschen frei macht – „hommes-livres“ sind „hommes libres“. Truffauts entlegenste Regiearbeit, mit einer grandiosen Kameraarbeit von Nicolas Roeg und einem grandiosen Score von Bernard Herrmann.
20.7. Mittwoch
The Devil-Doll
US 1936. Regie: Tod Browning. Mit Lionel Barrymore, Maureen O'Sullivan, Frank Lawton, Robert Greig, Lucy Beaumont, Rafaela Ottiano.
79 min. OF
Klassiker des Horrorfilms. Ein zu Unrecht eingesperrter Bankier flieht aus dem Gefängnis, um seine früheren Partner als die wahren Schuldigen zu überführen und seinen guten Namen wiederherzustellen. Dabei bedient er sich der Maske einer knorrigen Puppenmacherin und einer Formel, die Mensch und Tier auf ein Zehntel ihrer Körpergröße schrumpfen lässt. Bizarr schöner Eintrag ins Genre der Mad Scientists , an dessen Drehbuch kein Geringerer als Erich von Stroheim mitgewirkt hat: Genial die Szene, in der einer der Bösewichte als Weihnachtsschmuck vom Christbaum baumelt!
21.7. Donnerstag
Familia rodante
Arg/Bra/F/D/E/UK 2004. Regie: Pablo Trapero. Mit Graciana Chironi, Liliana Capurro, Ruth Dobel, Federiquo Esquerro.
103 min. OmU
Eine Großfamilie aus Buenos Aires will die Großmutter (gespielt von der Großmutter des Regisseurs) übers Wochenende im Wohnmobil zu einer 1000 Kilometer entfernten Hochzeit bringen. Der dritte Film von Pablo Trapero, einem der größten Talente des jungen argentinischen Kinos, ist eine semi-autobiografische Road Movie-Komödie von enormer sinnlicher Kraft: Die Verwicklungen ergeben sich wie nebenher, während der chaotische Haufen dem Ziel entgegenschlingert, im virtuos rhythmisierten Zusammenspiel von Schnitt und Musik.
22.7. Freitag
The Great Dictator
US 1940. Regie: Charles Chaplin. Mit Charles Chaplin, Paulette Goddard, Jack Oakie, Reginald Gardiner, Maurice Moscovich, Billy Gilbert.
128 min. OmU
Für die Unverschämtheit, ihm sein Markenzeichen, den kleinen Schnauzbart, zu klauen, revanchierte sich Chaplin, indem er Hitler als aufgeblasenen Popanz entlarvte. Hynkel, heißt der Mann, der über einen fiktiven Tyrannenstaat namens Tomania herrscht, ein verkauderwelschtes Deutsch herausgrunzt und mit der Weltkugel tanzt, als gehörte sie ihm allein. Dieser totalen Barbarei stellt Chaplin am Schluss die große humanistische Rede seines Doppelgängers, des kleinen jüdischen Friseurs, gegenüber: Auf dass im Kino wenigstens Brüderlichkeit und Friede auf Erden triumphieren.
23.7. Samstag
Zabriskie Point
USA, 1970. Regie: Michelangelo Antonioni. Mit Mark Frechette, Daria Halprin, Paul Fix, G.D. Spradlin, Bill Garaway, Kathleen Cleaver, Rod Taylor.
110 min. OF
Gegenkultur und Death Valley, 1969: Ein Student flieht in die Wüste, weil er glaubt, bei Unruhen in Los Angeles einen Polizisten erschossen zu haben. Er verliebt sich in ein Hippie-Mädchen, deren Vater ein Ferienparadies im Sand gebaut hat. Michelangelo Antonionis einziger US-Film war ein Flop, ist aber wesentlich besser gealtert als so mancher seiner akzeptierten Klassiker. Die grandiosen Breitwand-Landschaftsbilder kulminieren im atemberaubenden, apokalyptischen Zeitlupen-Finale: Eine Luxusvilla explodiert zur Musik von Pink Floyd.
24.7. Sonntag
Solyaris / Solaris
SU 1971/72. Regie: Andrej Tarkowski. Mit Donatas Banionis, Natalia Bondartschuk, Nikolaj Grinko, Juri Jarvet, Wladislaw Dworshezki, Anatoli Solonizyn.
165 min. OmU
„Beautiful, strange, powerful, haunting!“ Ein Mann aus Moskau bereist Italien, auf den Spuren eines russischen Komponisten des 19. Jahrhunderts, dessen Biografie er schreiben will: eine Reise ins Innere der Seele, begleitet und durchdrungen von Erinnerungen und Visionen, Bildern, Motiven und Zitaten aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. „Tückisches Gelände betritt er, wohin er sich wendet. Innenräume werden zu Schlammlandschaften, Bäche zu Spiegeln von Gaukelbildern. Das Wasser tropft und sprudelt allerorten wie ein Klangteppich, den ein Ungeborener hören mag.“ (Karsten Witte) Und am Schluss steht eine gewaltige Vision, in der der Reisende nach all seinen Mühen Erlösung findet – eine der schönsten, eindringlichsten Szenen der Filmgeschichte.
25.7. Montag
MAD BRAINS: Dr. Strangelove or:
How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb
UK 1964. Regie: Stanley Kubrick. Mit Peter Sellers, George C. Scott, Sterling Hayden, Keenan Wynn, Slim Pickens, James Earl Jones.
93 min. OF
Die ultimative Weltuntergangskomödie. Ein wahnsinniger US-General namens Jack D. Ripper schickt die Bomber gen Russland, um „die Reinheit der Säfte zu wahren“, ein Haufen denkbar ungeeigneter Politiker und Militärs (darunter Peter Sellers extatisch in drei Rollen und George C. Scott in seiner besten) berät sich im Warroom , will die Katastrophe verhindern – und scheitert, natürlich, gründlich. Zur unvermeidlichen Apokalypse tröstet ein alter Schlager „We'll meet again, some sunny day...“
26.7. Dienstag
Cat People
US 1942. Regie: Jacques Tourneur. Mit Simone Simon, Kent Smith, Tom Conway, Jack Holt, Jane Randolph.
73 min. OmfU
“I like the darkness, it's friendly”, schnurrt Irina, deren Abstammung wie ein Fluch auf ihrer jungen Ehe lastet. Hinter der bildhübschen Modedesignerin lauert sprungbereit die „Katzenfrau“, die sich bei sexueller Erregung in einen mordlüsternen schwarzen Panther verwandelt: Irina muss sich ihrem Mann verweigern, gerade weil sie ihn liebt. Cat People , der Auftakt zum legendären Horrorzyklus des Produzenten Val Lewton, ist einer der verführerischsten, bedrohlichsten Filme aller Zeiten – Simone Simons raubtierhafter Schatten der eigentliche Star.
27.7. Mittwoch
Amores Perros
Mex 2000. Regie: Álejandro Gonzáles Iñárritu. Mit Gael García Bernal, Emilio Echevarría, Goya Toledo, Álvaro Guerrero, Vanessa Bauche.
153 min. OmU
What is love? Love's a bitch. – Ein alltäglicher Moment, ein Verkehrsunfall an einer Kreuzung, ist Ausgangspunkt der ineinander verwobenen Geschichten von Octavio, Valeria und El Chivo: drei (von 21 Millionen) Menschen, die in Mexico City auf Liebe und Tod ums Überleben kämpfen. Ein gewaltiger und gewalttätiger Debütfilm, der einen mit seinem exzessiven Einsatz von Technorhythmen und dem frenetischen Rasen der Handycam beinahe erschlägt. Amores Perros ist kein Film, Amores Perros ist eine Erfahrung.
28.7. Donnerstag
Sud Pralad / Tropical Malady
Thai/F/D/I 2004. Regie: Apichatpong Weerasethakul. Mit Banlop Lomnoi, Sakda Kaewbuadee,Huai Dessom, Sirivech Jareonchon.
118 min. OmeU
Ein Soldat verbringt glückliche Zeiten mit seinem Liebhaber: Nächte mit verzaubertem Gesang in der Stadt und entspannte Abende am Land. Zur Mitte des Films ein plötzlicher Bruch: Der Soldat durchstreift einen verzauberten Wald auf der Suche nach einem Tiger-Geist. Ein Kunststück des thailändischen Kino-Magiers Apichatpong Weerasethakul, ein Film über die Liebe und die Bestie im Menschen. Die fast wortlose zweite Hälfte, mit unerklärlich leuchtenden Bäumen und sirrenden Tönen, ist eine singuläre Ekstase des Gegenwartskinos.
29.7. Freitag
Die fetten Jahre sind vorbei
A/D, 2004. Regie: Hans Weingartner. Mit Daniel Brühl, Julia Jentsch, Stipe Erceg, Burghart Klaußner.
126 min. DF
Jan und Peter brechen als „Die Erziehungsberechtigten“ in Luxusvillen ein: Sie stehlen nichts, aber hinterlassen Unordnung, die an Konzeptkunst erinnert und Zettel mit der Aufschrift „Die fetten Jahre sind vorbei“. Als sie mit Peters Freundin Jule von einem Besitzer ertappt werden, entführen sie ihn kurzerhand in die Berge, wo sie dem „Klassenfeind“ bald unerwartet näher kommen. Hans Weingarters exzellent gespielte Genre-Mixtur über „zu spät geborene“ Idealisten verschränkt souverän politisches Engagement und Unterhaltungskino.
30.7. Samstag
Main Hoon Na
Ind 2004. Regie: Farah Khan. Mit Shah Rukh Khan, Sushmita Sen, Sunil Shetty, Zayed Khan, Amrita Rao, Kabir Bedi, Naseeruddin Shah.
179 min. OmU
Bollywood-Superstar Shah Rukh Khan als indischer Major Ram, der im Zuge der Friedensmission „Milaap“ für das Ende der Feindschaft mit Pakistan kämpft. Als seine Widersacher einen Anschlag auf die Tochter eines Generals planen, geht Ram als Undercover-Student an ihre High School. Dort verliebt er sich nicht nur in die hübsche Chemielehrerin und bekommt es mit Mathematik-Tests und Doppelagenten zu tun, er muss auch den letzten Wunsch seines Vaters erfüllen. Das Regiedebüt der Choreografin Farah Khan, ein überschwängliches Bollywood-Epos.
31.7. Sonntag
Fear and Loathing in Las Vegas
US 1998. Regie: Terry Gilliam. Mit Johnny Depp, Benicio Del Toro, Tobey Maguire, Ellen Barkin, Gary Busey, Christina Ricci, Cameron Diaz, Harry Dean Stanton.
118 min. OF
„We were somewhere near Barstow, on the edge of the desert, when the drugs began to take hold.“ Mr. Thompson und Dr. Gonzo (an der Grenze zur Selbstverleugnung verkörpert von Johnny Depp und Benicio Del Toro) auf einer von pausenlosem Drogenkonsum gezeichneten, irrwitzigen Achterbahnfahrt durchs synthetische Las Vegas und die Ruinen des American Dream. Terry Gilliams kongeniale Adaption von Hunter S. Thompsons atemlosen, satirischen Siebziger-Kultroman ist einer der unterschätztesten Hollywoodfilme der Neunziger.
1.8. Montag
Orphée
F 1949/50. Regie: Jean Cocteau. Mit Jean Marais, Maria Casarès, Francois Périer, Maria Dea, Juliette Greco.
112 min. OmeU
Cocteaus umstrittenster Film: Orpheus und Eurydike im Paris der Nachkriegszeit, ein existenzialistischer Krimi mit Hang zum Jenseitigen, zur Unterwelt, zum Kitsch. Spiegel werden zum Leitmotiv. In ihnen sieht der schriftstellernde Titelheld sich älter werden; sie bringen ihn seinem Ende näher. Voll der Bewunderung nannte Jean-Luc Godard - damals noch Kritiker - Orphée einen Dokumentarfilm, der ein für allemal beweise, ,,dass die Dichtung ein Männerberuf ist – und folglich eine Arbeit unter Todesgefahr“.
2.8. Dienstag
Days of Being Wild
HK 1990. Regie: Wong Kar-wai. Mit Leslie Cheung, Maggie Cheung, Andy Lau, Carina Lau, Rebecca Pan, Jackie Cheung.
94 min. OmU
Wong Kar-wais erstes Meisterwerk, der fragile, feingliedrige Auftakt zu seiner mit In the Mood for Love und 2046 fortgeführten melancholischen Erinnerungs-Trilogie über das Hongkong der Sechziger. Die sechs größten Stars des Hongkong-Kinos der frühen Neunziger (darunter die göttliche Maggie Cheung) irren durch die Großstadt, ihre Herzen blutend vor Sehnsucht nach Liebe. Ihre Wege kreuzen sich, vergeblich und wunderschön, und das wiederholte Ticken einer Uhr in Großaufnahme dazwischen markiert das unerbittliche Verstreichen der Zeit.
3.8. Mittwoch
Victor/Victoria
US 1982. Regie: Blake Edwards. Mit Julie Andrews, James Garner, Robert Preston, Lesley Ann Warren, John Rhys-Davies.
133 min . OF
“You want me to be a woman pretending to be a man pretending to be a woman?” Victoria Grant, aufstrebende Sopranistin ohne Engagement, wird als Damenimitator zur Attraktion eines Nachtclubs und zieht als Victor die Aufmerksamkeit eines hartgesottenen Gangsters auf sich, der ernsthaft an sich zu zweifeln beginnt . Gay Paris! Ein kongeniales Remake von Reinhard Schünzels grandioser Verwechslungskomödie Viktor und Viktoria (1933). Schon der Titel zeigt an, „dass in Identitätsfragen die Geschlechter sich ein ganzes Stück nähergekommen sind“ (Frieda Grafe).
4.8. Donnerstag
Café Lumière
J 2004. Regie: Hou Hsiao-hsien. Mit Yo Hitoto, Tadanobu Asano, Masato Hagiwara, Kimiko Yo, Nenji Kobayashi.
104 min. OmeU
Die junge Autorin Yoko kehrt aus Taiwan nach Tokio zurück und eröffnet ihren Eltern, dass sie schwanger ist, aber den Vater nicht heiraten will. Einem Freund hat sie eine alte Taschenuhr mitgebracht. Manchmal streifen die Beiden gemeinsam gelassen durch die Stadt. Der Tribut des taiwanesischen Meisterregisseurs Hou Hsiao-Hsien an den japanischen Meisterregisseur Yasujiro Ozu, ein ruhiger, wunderbarer Film über die Schönheit des Ephemeren: Gedanken, Gefühle, Licht – alles gleitet, ganz selbstverständlich, so wie die Züge, die immer wieder durch das Bild ziehen.
5.8. Freitag
Giant
US 1956. Regie: George Stevens. Mit James Dean, Elizabeth Taylor, Rock Hudson, Carroll Baker, Mercedes McCambridge, Dennis Hopper, Sal Mineo.
201 min. Omd/fU
Im Öl. Jett Rink, ein verdrossener Cowboy, der vom alteingesessenen Clan der Benedicts auf seinem Fleckchen Land nur geduldet wird, stößt auf eine Ölquelle, verkraftet aber den lang ersehnten Aufstieg nicht und zerstört sich in böser Verächtlichkeit selbst. Giant habe Dean alles abverlangt, berichtete Dennis Hopper, „er war so nervös, dass er kaum sprechen konnte. In der ersten Szene mit Liz Taylor drehte er sich plötzlich um, ging ein paar Schritte und begann zu pinkeln. Viertausend sahen zu. Danach konnte er die Szene zu Ende spielen.“ Jimmys letzter Film.
6.8. Samstag
MAD BRAINS: Austin Powers: International Man of Mystery
US/D 1997. Regie: Jay Roach. Mit Mike Myers, Elizabeth Hurley, Michael York, Mimi Rogers, Robert Wagner, Seth Green, Charles Napier.
94 min. OmU
„Allow myself to introduce. . . myself!“ Mike Myers als in der Gegenwart wieder aufgetauter Sixties-Agent Austin Powers, der den Widerspruch zwischen seinen echt schlechten Zähnen und seiner libidinösen Veranlagung nicht wahrhaben will – sowie als dessen ewiger Widersacher Dr. Evil, der den Widerspruch zwischen seinen größenwahnsinnigen Weltherrschaftsplänen und seiner generellen Inkompetenz nicht wahrhaben will. Eine psychedelisch-ausgelassene, liebevolle Parodie auf Agentenfilm-Klischees à la Bond.
7.8. Sonntag
Rear Window
US 1954. Regie: Alfred Hitchcock. Mit James Stewart, Grace Kelly, Wendell Corey, Thelma Ritter, Raymond Burr.
112 min. OF
Fotoreporter, durch einen Beinbruch ans Bett gefesselt, beobachtet im Haus gegenüber einen Mord. Hitchcock lässt seinen erotischen Obsessionen freien Lauf, inszeniert den ganzen Film als quasi sadomasochistisches Kammerspiel zwischen Jimmy Stewart, der nicht mehr hochkommt, und Grace Kelly, seiner aufreizend blonden Verlobten: „Ich wette, dass von zehn Leuten, wenn sie am Fenster gegenüber eine Frau sehen, die schlafen gehen will und sich auszieht, neun nicht anders können als hinzuschauen.“
8.8. Montag
Wonder Boys
US 2000. Regie: Curtis Hanson. Mit Michael Douglas, Tobey Maguire, Frances McDormand, Robert Downey jr., Katie Holmes, Rip Torn.
112 min. OmU
Nomen est omen. Professor Trip(p), von morgens bis abends zugekifft, brütet im rosa Schlafmantel über der Schreibmaschine. Sein neuer Roman lässt seit sieben Jahren auf sich warten. Die alljährlichen Literaturtage an der Universität werden zum Horrortrip: Sein schwuler Verleger reist aus New York an, sein depressiver Lieblingsstudent erweist sich als notorischer Schwindler und seine Geliebte, die Frau des Rektors, ist schwanger. Eine hinterfotzige, lässige Screwball-Komödie, die selbst Billy Wilder zur Ehre gereicht hätte.
9.8. Dienstag
Sans soleil
F 1983. Regie: Chris Marker.
100 min. DF
Diese Fassung wird gesprochen von Charlotte Kerr, Schauspielerin, Regisseurin, Schriftstellerin und Witwe des 1990 verstorbenen Friedrich Dürrenmatt
Das Kino, die Welt und die Erinnerung: Chris Markers überwältigender, überreicher philosophischer Film-Essay, ein zentraler Film der Achtziger, unternimmt ausgehend von fiktiven Briefen eine Weltreise. Sie führt über Island, Afrika und (auf den Spuren von Hitchcocks Vertigo ) nach San Francisco, konzentriert sich aber vor allem auf Japan, insbesondere Tokio. Dort, zwischen modernen Videospielen und uralten Ritualen, findet Marker die Faszinierendsten der Paradoxa, aus denen er poetische Gedankenlinien entwickelt: Das größte Wunder dieses wunderreichen Films ist vielleicht das schließliche Erreichen der Metamorphose – aus Erinnerung wird Fiktion.
10.8. Mittwoch
Flakturm Augarten
Ö 1993. Regie: Kurt Palm. 19 min.
MAD BRAINS: Das Cabinet des Dr. Caligari
D 1920. Regie:Robert Wiene. Mit Conrad Veidt, Werner Krauß, Lil Dagover
73min. Neue restaurierte Fassung. stumm
Schattenspiel an grauer Wand. Ein hypnotisch schöner Somnambuler geht um, ermordet im Auftrag seines Herrn, des Hochstaplers Caligari, einen Beamten und raubt eine junge Frau aus ihrem Schlafgemach. Der definitive Klassiker unter den Klassikern des Horrorgenres – ein Film der grotesk verworfenen Dekors, krummen Nächte und beklemmenden Andeutungen. „Mit unserer Phantasie kann kein Kino mit“, so Kurt Tucholsky über Dr. Caligari , „die größeste von allen Seltenheiten –: ein guter Film. Mehr solcher!“
11.8. Donnerstag
L'intrus
F 2004. Regie: Claire Denis. Mit Michel Subor, Béatrice Dalle, Grégoire Colin, Katia Golubeva, Bambou, Alex Descas, Kim Dong-ho.
129 min. OmeU
Michel Subor als Mann mit dunkler Vergangenheit und schwachem Herzen, der auf der Suche nach seinem verlorenen Sohn von seinem Refugium, einer Hütte im Jura, zur Weltreise aufbricht, die ihn bis zur Gauguin-graugrünen Südsee vor Tahiti führt. Ein elliptisches, eminent sinnliches Meisterwerk von Claire Denis, Inbegriff eines modernen Abenteuerfilms, wo auch das Sehen zum Abenteuer wird, und das Verbinden der Motive der fragmentierten Erzählung, die von Robert Louis Stevenson Büchern und einem philosophischen Essay von Jean-Luc Nancy inspiriert ist.
12.8. Freitag
Taxi Driver
US 1976. Regie: Martin Scorsese. Mit Robert De Niro, Cybill Shepherd, Jodie Foster, Harvey Keitel, Peter Boyle.
113 min. OF
Von einem, der Taxi fährt, in der Welt, in der er lebt, aber nicht leben kann, weil das, was er von ihr sieht, nicht mit seinem Bild von der Welt, wie sie sein sollte, übereinstimmt. Travis Bickle, als Vietnamveteran der personifizierte Antiheld der Siebzigerjahre, jagt im Neuen Babylon (vulgo Manhattan) nach „Reinheit“. Eine metaphysische Fallstudie über die Einsamkeit und unerfüllte Sehnsüchte, über das Streben nach Ruhm und die Pornografie des Erfolgs. Scorseses wichtigster Film, nach einem Drehbuch von Paul Schrader.
13.8. Samstag
Monty Python and the Holy Grail
UK 1975. Regie: Terry Gilliam, Terry Jones. Mit Graham Chapman, John Cleese, Eric Idle, Terry Gilliam, Terry Jones, Michael Palin, Connie Booth, Carol Cleveland.
91 min. Omd/fU
Ein absurdes Hauptwerk der genialen Comedy-Truppe Monty Python, das seiner stolzen Low-Budget-Werbezeile – „Makes Ben Hur Look Like an Epic!“ – alle Ehre macht, während es das Historien-Genre in Schutt und Asche legt: Die Ritter der Tafelrunde haben zwar keine Pferde, tun aber so, als würden sie reiten, während ihre Diener mit Kokosnusshälften das Hufgetrappel simulieren. Den Heiligen Gral, soviel sei verraten, finden sie nicht, aber dafür einige der lustigsten Szenen, die je auf Zelluloid gebannt wurden.
14.8. Sonntag
High Society
US 1956. Regie: Charles Walters. Mit Bing Crosby, Grace Kelly, Frank Sinatra, Celeste Holm, Louis Calhern, Louis Armstrong.
107 min. OF
Wahre Liebe rostet nicht. Crosby singt Kelly am Pool von „True Love“ ins Ohr, woraufhin seine Verflossene ihren neuen Verlobten wieder vergisst und die Hochzeit am nächsten Morgen prompt ins Wasser fallen lässt. Ein beschwingtes Musical-Remake des Screwball-Klassikers „The Philadelphia Story“ (1940), zugleich die inoffizielle Generalprobe für die Traumhochzeit des Jahres: Am 19. April, gut zwei Monate bevor der Film in den Kinos anlief, gaben sich Grace Kelly und Prinz Rainier von Monaco das Ja-Wort.
Archiv 2005