Archiv 2003
10.7. Donnerstag
LA PEINE DU TALION
F 1906, Gaston Velle. 6 min
Seltene Schmetterlinge in Mädchengestalt. Ein schillerndes, handkoloriertes Juwel des frühen Films.
Eröffnungsfilm
Nothing Sacred
USA 1937. Regie: William A. Wellman. Mit Carole Lombard, Fredric March, Walter Connolly, Charles Winninger, Sig Rumann. 75 min. OF
"Boy makes girl make fool of New York!" Wenn man als ehrgeiziger Reporter grad strafweise Nachrufe schreiben muss, freut man sich natürlich umso mehr, eine große Story aufzuspüren – auch wenn man der Wahrheit dabei ein bisserl nachhelfen muss. In Warsaw, Vermont findet Wally Cook also die junge Hazel Flagg, die mit ihrer Radiumvergiftung angeblich nicht mehr lange zu leben hat – und baut die Pumperlgsunde in einer gigantischen, tränenreichen Kampagne zur nationalen Heldin auf. All stops pulled out, ein irrwitziger Gag jagt den anderen, ein scharfer Dialog den nächsten in dieser klassischen, bitterbösen Screwball Comedy, die in frühem Technicolor leuchtet, dass es eine wahre Freud' ist.
11.7. Freitag
Dress Code: Jezebel
USA 1938. Regie: William Wyler. Mit Bette Davis, Henry Fonda, George Brent, Margaret Lindsay, Donald Crisp, Fay Bainter. 103 min. OF
"The greatest actress of the screen - in the greatest romance of the south!" Aufruhr der Gefühle in New Orleans: Julie Marston weiß sehr gut selbst, was sie will und was nicht – schon von dem Moment an, als sie zum Olympus-Ball nicht das traditionelle weiße Kleid der unverheirateten Debütantinnen trägt, sondern eines in flammendem Rot. Bette Davis spielt nicht, sie IST diese verwöhnte, eigenwillige, temperamentvolle Südstaatenschönheit, die mutwillig ihre Beziehungen zerstört und schließlich zur tragischen Heldin wird: Mit ihrer großen Liebe Henry Fonda, den sie von sich gestoßen und nie wieder zurückgewonnen hat, wartet sie inmitten der wütenden Gelbfieberepidemie auf den Tod.
12.7. Samstag
Mulholland Dr.
USA/F 2001. Regie: David Lynch. Mit Naomi Watts, Laura Elena Harring, Justin Theroux, Robert Forster, Ann Miller, Dan Hedaya. 146 min. OmU
"A love story in the city of dreams!" Amnesie in Hollywood. Zwei junge Frauen auf der Suche nach der Wahrheit und sich selbst. Das ist gefährlich, bedrohlich wie der hypnotische Soundtrack von Angelo Twin Peaks Badalamenti, abgründig und mysteriös wie Hitchcocks Vertigo, bis zum Bersten angefüllt mit unergründlichen Vorfällen, reizvollen Verdopplungen und surrealistischen Noir-Traumlandschaften. Hoffen Sie nicht, das Rätsel lösen zu können, wenn Sie nur aufmerksam genug hinschauen: Hier gibt es keine Erklärung – und vielleicht nicht einmal ein Rätsel.
13.7. Sonntag
MÄNNER IN TECHNICOLOR
Deutsch-Amerikanische Trailer, 1952-59. 14 min
Das Kabinett des Dr. Bondi – Die Brücken von Toko-Ri – Der rote Korsar – Giganten – Rio Bravo.
The Incredible Shrinking Man
USA 1957. Regie: Jack Arnold. Mit Grant Williams, Randy Stuart, April Kent, Paul Langton, William Schallert, Billy Curtis. 81 min. OF
"A fascinating adventure into the unknown!" Man hat's ja wirklich nicht leicht, wenn man, wie Scott Carey, während eines Sonnenbads in eine radioaktive Wolke gerät und in den folgenden Wochen immer mehr schrumpft – bis man aus Sicherheitsgründen (Spinne! Katze!) ein Puppenhaus als Wohnung braucht. Und schließlich ganz aus dem Blickfeld verschwindet und in den Mikrokosmos eintritt und danach in den Sub-Mikrokosmos undsoweiter. Ein B-Movie-Essay über die Grenzen der menschlichen Vision – so stellen wir uns die geglückte Vereinigung von Philosophie & Trash vor! "What was I? Still a human being? Or was I the man of the future?"
14.7. Montag
Black Narcissus
GB 1947. Regie: Michael Powell, Emeric Pressburger. Mit Deborah Kerr, Sabu, David Farrar, Jean Simmons, Flora Robson. 100 min. OF
"One of the most breathtaking color films ever made!" In unfassbarer Klarheit leuchten sie fürwahr, die Farben, in diesem Technicolordrama, für das der legendäre deutsche Art Director Alfred Junge den Himalaja in den britischen Pinewood Studios wiederauferstehen ließ. Hier, weitab der Zivilisation, wollen fünf Ordensschwestern, Wind und Wetter, Fremdheit und fleischlicher Versuchung trotzend, eine Missionsstation errichten. Ein Fest für Augen und Ohren, wie jedes große Melodram auch eine große musikalische Erzählung: nach Brian Easdales eindringlichem Soundtrack komponiert von The Archers, dem wohl berühmtesten Tandem der Filmgeschichte: Michael Powell aus Canterbury und Emeric Pressburger aus Miskolc, Ungarn, 1933 von den Nazis aus Deutschland vertrieben.
15.7. Dienstag
ZWEIGROSCHENZAUBER
D 1929, Hans Richter. 3 min
Avantgardefilm als Werbefilm: eine rasende Folge von Schnitten und Assoziationen quer durch die Welt.
Jules et Jim
F 1962. Regie: François Truffaut. Mit Jeanne Moreau, Oskar Werner, Henri Serre, Marie Dubois, Boris Bassiak, Vanna Urbino. 100 min. OmeU
"Catherine, die Französin, hatte das Lächeln der Statue auf der Insel. Ihre Nase, ihr Mund, ihr Kinn, ihre Stirn waren die stolze Kühnheit einer Provinz, in die sie als Kind hineingewachsen war zur Zeit einer religiösen Feier." Jules und Jim, beide Schriftsteller, sind von dieser Frau fasziniert – so beginnt eine der berückendsten Dreiecksgeschichten, die das Kino kennt. Catherine entscheidet sich für Jules. Der Erste Weltkrieg bringt die Freunde auseinander, danach taucht Jim wieder auf und es beginnt eine seltsame Ehe, eine "reine Liebe" zu dritt – mit tragischem Ausgang. "Man drehte sich immer weiter", singt Catherine einmal im wunderbaren Chanson "Le tourbillon de la vie": Schöner lässt sich Truffauts schwarzweiße ménage à trois nicht auf den Punkt bringen.
16.7. Mittwoch
Gun Crazy
USA 1949. Regie: Joseph H. Lewis. Mit Peggy Cummins, John Dall, Berry Kroeger, Morris Carnovsky, Anabel Shaw, Nedrick Young. 86 min. OF
"She was more than any man could handle!" Der junge Mann ist ein Waffennarr – und er ist verrückt nach, ja sexuell abhängig von der jungen Frau, mit der er wie in Ekstase raubend von Ort zu Ort zieht. Ein surrealer Alptraum aus neurotischen, gewalttätigen Exzessen, die wie Urgewalten über die unermessliche Gleichförmigkeit der US-Provinz hereinbrechen – bis zum bitteren, unvermeidlichen Ende im weißen, undurchdringlichen Nebel labyrinthischer Sumpflandschaft. Kein anderer Regisseur als Joseph H. Lewis, Weltmeister der expressiven Kadrage, schenkte dem Hollywoodkino ein derart weißglühend-tragisches Finale verlorener amour fou: Von Kugeln durchsiebt, umarmen einander die beiden Liebenden im Tode ein allerletztes Mal.
17.7. Donnerstag
Sex is Comedy
F/POR 2002. Regie: Catherine Breillat. Mit Anne Parillaud, Grégoire Colin, Roxane Mesquida, Ashley Wanninger, Dominique Colladant. 92 min. OmeU
"Fascinating insights under the guise of entertaining comedy!" Eine Art Making of von A ma sœur, Catherine Breillats vorangegangenem Film: die Geschichte einer Regisseurin mit einer fixen Idee, die sie unbedingt in eine Filmszene einbauen möchte, in deren Mittelpunkt die Entjungferung der 15-jährigen Elena steht. Der Preis ist hoch: Innerhalb der Crew kommt es zu Spannungen, Beschimpfungen, Zweifel und Erniedrigungen. Doch die Sache ist es wert; gilt es doch dorthin vorzudringen, was Jeanne die Wahrheit der Körper beim physischen Akt nennt. Ganz mühelos, ja leicht umkreist Breillat hier das fundamentale Element aller ihrer Filme: le passage à l'acte.
18.7. Freitag
L'ECRIN DU RAJAH
F 1906, Gaston Velle. 9 min
Trubel um Prinzessin Rajas Schmuckkästchen am indischen Hof. Die Leinwand als fliegender Teppich.
Dress Code: Velvet Goldmine
USA/GB 1998. Regie: Todd Haynes. Mit Ewan McGregor, Jonathan Rhys-Meyers, Christian Bale, Toni Collette, Eddie Izzard. 120 min. OmU
"The rise of a star – the fall of a legend!". England in den frühen 70ern. Brian Slade, unangefochtener König des Glam Rock, täuscht seine eigene Ermordung vor und verschwindet spurlos. Zehn Jahre später erhält ein Journalist den Auftrag, zum Jahrestag des spektakulären Popskandals über den Verbleib des einstigen Idols zu berichten. Eine bizarre, wüste, mythenverhangene Popfantasie auf den biografischen Spuren von David Bowie, Marc Bolan und Iggy Pop – und ein rauschhaftes musikalisches Crossover der Generationen: Roxy Music, Brian Eno, Slade & Gary Glitter meet Radiohead, Placebo, Pulp & Teenage Fanclub! Welcome to the Age of Glam! "Style always wins out in the end!"
19.7. Samstag
Bringing Up Baby
USA 1938. Regie: Howard Hawks. Mit Cary Grant, Katharine Hepburn, Charles Ruggles, May Robson. 102 min. OmU
Eine der besten Screwball Comedies aller Zeiten: Cary Grant, geübter Reiter auf fragilen Urzeitskeletten, aber unsicherer Passant in den modernen Zeiten, trifft Katharine Hepburn und sieht sich am Ende vor den Trümmern von Karriere, Ehe und sexuellen Selbstverständlichkeiten. Dafür hatte er das Glück, mit Hollywoods strahlendster Erscheinung auf einen Leoparden zu treffen. Katharine Hepburn als dizzy rich girl - bezaubernd nervtötend. Magisch.
20.7. Sonntag
KUNST. POLITIK. SEX.
Europäische Trailer, 1960-73. 10 min
Die Jungfrauenquelle – Der Krieg ist vorbei – Ein Liebesfall – Sessomatto.
La piscine
F/I 1968. Regie: Jacques Deray. Mit Alain Delon, Romy Schneider, Maurice Ronet, Jane Birkin, Paul Crauchet. 113 Minuten. OmeU
"Heiße Tage, heiße Nächte voll gefährlicher Leidenschaften!" Und zwar in St. Tropez, wo Marianne & Jean-Paul glückliche Ferien verleben – bis Harry und seine Tochter Penelope auftauchen. Schatten der Vergangenheit, Eifersucht, Misstrauen, Hass und Mord. Romy & Alain, Jahre zuvor die ewigen Verlobten, zum ersten Mal nach ihrer Trennung wieder vereint – ein erotisches Melodram (wie) aus den Klatschspalten: Das Publikum wusste genug über die beiden, neue Dialoge waren kaum noch nötig. "Keine Leidenschaft mehr", so Delon in seinem Nachruf 1982. "Besser als das: Unsere Freundschaft lag im Blut, in der Ähnlichkeit und in den Worten." Echte Profis lassen den Boulevard eben sauber auflaufen. PS: Der Film wurde ein großer Erfolg.
21.7. Montag
Drugstore Cowboy
USA 1989. Regie: Gus Van Sant. Mit Matt Dillon, Kelly Lynch, James Remar, James Le Gros, Heather Graham, Grace Zabriskie. 100 min. OmU
"You won't fuck me and I always have to drive!" Von Stadt zu Stadt, von Motel zu Motel zieht dieses Quartett junger Süchtiger, stets auf der verzweifelten Suche nach Drogen, das es sich durch Überfälle auf Drugstores besorgt. Sie sind die Nachhut der love generation – man schreibt das Jahr 1971. Poetisch, geradezu melancholisch und voller Zärtlichkeit für seine Figuren erzählt Van Sant die Geschichte dieser Drifter, deren Existenz ständig zwischen Euphorie und Depression schwankt – und er erzählt dokumentarisch genau, unerbittlich, ohne Larmoyanz und falsche Sentimentalität. "You are grown up now! And yet you still act as children, who want to do nothing but run and play."
22.7. Dienstag
EIN PARKETT DER PROMINENTEN
D/USA 1929, Anonym. 9 min
Ein früher Trailer: Der Star-Aufmarsch zur Filmpremiere von "Divine Lady" als Motor der Vorlust.
Dress Code: The Women
USA 1939. Regie: George Cukor. Mit Joan Crawford, Norma Shearer, Rosalind Russell, Joan Fontaine, Paulette Goddard. 132 min. OF
"It's all about men!" 135 Frauenrollen, kein einziger Mann – und doch dreht sich in diesem satirischen Woman's Picture alles um die so genannten Herren der Schöpfung. Bei der Maniküre erfährt Mary Haines zufällig, dass sie seit geraumer Zeit von ihrem Gatten betrogen wird – sämtliche ihrer Freundinnen sind freilich schon längst auf dem Laufenden. Beim Lunch, einer Modenschau oder in Reno, wo auf die Scheidungsurkunden gewartet wird, entfaltet sich in funkelnden, scharfzüngigen Wortgefechten ein Bestiarium aus Tratsch, Eifersucht und ganz gewöhnlicher Gemeinheit. "I hate to tell you this, but your skin makes the Rocky Mountains look like chiffon velvet."
23.7. Mittwoch
Virgin Suicides
USA 1999. Regie: Sofia Coppola. Mit Kirsten Dunst, James Woods, Kathleen Turner, Hannah Hall, Chelse Swain, Josh Hartnett. 96 min. OmU
"A magic-realist American suburbia, rarely before brought so convincingly to life!" Allzu wohlbehütet wachsen sie Mitte der 70er Jahre auf, die fünf Lisbon-Schwestern, eingeengt von der bigotten Mutter, während Daddy (großartig: James Woods) sich geistesabwesend seinen Pflanzen widmet. Als Cecilia, die Jüngste, Selbstmord begeht, nimmt eine Reihe unvorhersehbarer Ereignisse ihren Anfang, deren Eskalation nicht mehr aufzuhalten ist. Teenage wasteland zwischen Traum und Erinnerung, sonnenbeschienen und rätselhaft, umspielt von den unergründlich-melancholischen Klängen des Synthiepop-Duos Air. "Beautiful, mysterious, haunting, invariably fatal – just like life!"
24.7. Donnerstag
WO SIND DIE MILLIONEN?
Ö 1925, Robert Wohlmuth. 11 min
Ein interaktiver Preisrätselfilm mit der „Yellow Taxi Comp. Ges. ohne b.H., New York-Stadlau“.
The Party
USA 1968. Regie: Blake Edwards. Mit Peter Sellers, Claudine Longet, Marge Champion, Danny Miller, Gavin MacLeod. 99 min. OmU
"You mashuga!" – "I am not your sugar." Oft ist es ja so, dass Fehlleistungen und Kommunikationsschwierigkeiten, die im Alltag mehr als peinlich sind, im Film zum Ausgangspunkt höchst komischer Situationen werden. Etwa wenn Peter Sellers als unbedeutender indischer Schauspieler namens Hrundi V. Bakshi eine Party reicher europäischer Filmleute durch seine Unbeholfenheit und gerade durch den Wunsch, sich anzupassen, heillos durcheinander bringt. "We have a saying in India..." – "Yes?" – "Yes." – "Well?" – "Well what?" Eben. Denn inmitten von Chaos & Zerstörung behält wenigstens einer seine Ruhe: "Wisdom is the province of the aged, but the heart of a child is pure."
25.7. Freitag
Wuthering Heights
USA 1939. Regie: William Wyler. Mit Merle Oberon, Laurence Olivier, David Niven, Flora Robson, Donald Crisp, Leo G. Carroll. 103 min. OF
"Torn with desire – twisted with hate!" Zwei Liebende, vom Schicksal füreinander bestimmt, von den unendlichen Weiten des Melodramatischen hin- und hergerissen, bis dass erst der Tod sie endgültig zueinanderführt: Merle Oberon und Laurence Olivier auf der sturmumtosten Anhöhe des Romans von Emily Brontë, eine obsessive Geschichte von Ausbruch und Phantasie, Lust und Leid, Eifersucht und Schmerz, von Kameramann Gregg Toland (Citizen Kane) in weiches Kerzenlicht getaucht, um uns "durch einen Wirbel schöner Close-Ups ins Träumen zu versetzen".
26.7. Samstag
Dress Code: Cleopatra Jones
USA 1973. Regie: Jack Starrett. Mit Tamara Dobson, Bernie Casey, Shelley Winters, Brenda Sykes, Antonio Fargas, Bill McKinney. 89 min. OF
"She's 6 feet 2 inches of dynamite!" Die langbeinige, Kung-Fu-erprobte Tamara Dobson als verführerische CIA-Drogenpolizistin Cleopatra Jones, die in schreienden Outfits und bestausgestatteten Fahrzeugen darangeht, das Getto von der bösen weißen lesbischen Rauschgiftkönigin "Mommy" (Shelley Winters) zu befreien. So also sähe James Bond aus, wenn er Amerikanerin, farbig und weiblich wäre. "The first swashbuckler to star a fighting superwoman" (Pauline Kael), actionreich, gewalttätig, in Breitwand und Technicolor, coproduziert von Hongkongs Filmmogul Run Run Shaw. "She's ten miles of bad road for every hood in town!"
27.7. Sonntag
Stalker
UdSSR 1979. Regie: Andrej Tarkowskij. Mit Alexandr Kajdanowskij, Anatolij Solonizyn, Nikolaj Grinko, Alissa Frejndlich. 160 min. OmU
Niemals tropfte ein Wasserhahn schöner – und länger – als hier. Die Zeit verrinnt unendlich langsam an jenem geheimnisvollen, verbotenen Ort, die Zone genannt, in den immer wieder Menschen eindringen, um hier Inspiration zu gewinnen und ihre innersten, innigsten Wünsche in Erfüllung gehen zu sehen. Stalker heißt der Führer, dem sie sich dabei anvertrauen, und so kämpfen sich nun drei Männer durch knietiefen Morast, trübe Seen und Lacken und scheinbar endlosen wüstenähnlichen Sand. Ist der kürzeste Weg wirklich der schnellste? Was wird sein, wenn alle Wege enden? "Schicke mir einen Lehrer, ich bin es müde auf ihn zu warten."
28.7. Montag
Midnight
USA 1939. Regie: Mitchell Leisen. Mit Claudette Colbert, Don Ameche, John Barrymore, Francis Lederer, Mary Astor. 94 min. OF
"Just about the best light comedy ever caught by the camera!" Wenn ein Revuegirl aus Indiana namens Eve Peabody sich in der Pariser High Society als "Baroness Czerny" ausgibt und in ein raffiniertes Spiel vertauschter Identitäten und ehelicher Zores einsteigt, ist der Grundstein gelegt für eine veritable Screwball Comedy voll brillanter Dialoge und urkomischer Situationen – zumal die Autoren Charles Brackett & Billy Wilder heißen, verantwortlich für zeitlose Filmklassiker wie Ninotchka und Sunset Boulevard. "Nicht vergessen", meint Eve, bevor der Taxifahrer Tibor als "Baron Czerny" seine Aufwartung macht, "für jedes Aschenbrödel kommt eine Mitternacht."
29.7. Dienstag
Dress Code: Heißer Sommer
DDR 1968. Regie: Joachim Hasler. Mit Chris Doerk, Frank Schöbel, Regine Albrecht, Hanns-Michael Schmidt, Madeleine Lierck. 91 min. DF
"Sommer, Sonne und Musik!" Die Mädels aus Leipzig und die Jungs aus Karl-Marx-Stadt haben das gleiche Ziel: Spaß haben am Ostseestrand. Man neckt sich, flirtet, kommt sich näher und singt und tanzt in satten Farben, dass es eine Freud' ist – schließlich befindet man sich ja in einem Musical. Mittendrin und vorneweg "Zonen-Elvis" Frank Schöbel & Chris Doerk, DDR-Schlagerstars und Fernsehlieblinge, das DEFA-Traumpaar schlechthin. Sozialismus goes Totalvision – so hieß Cinemascope jenseits des Eisernen Vorhangs: "East Germany's own unique version of Grease!"
30.7. Mittwoch
EINE FAHRT DURCH WIEN
Ö 1907, Anonym. 3 min
Ein „Phantom Ride“. Vor der Erzählung und vor der Psychologie gibt sich das Kino ganz dem Schauen hin.
La vie rêvée des anges
F 1998. Regie: Erick Zonca. Mit Elodie Bouchez, Natacha Régnier, Grégoire Colin, Jo Prestia, Patrick Mercado, Zivko Niklevski. 113 Minuten. OmU
Es ist kalt in Lille. Isa kommt mit ihrem Rucksack an, sucht einen Platz zum Schlafen, zieht bei Marie ein, die nie aus der Stadt hinausgekommen ist. Isa lässt sich nicht unterkriegen, Marie dagegen vermag der Eintönigkeit ihrer Existenz oft nur hilflose Gesten der Rebellion und Akte der Selbstzerstörung entgegenzusetzen. Im engen Raum der Wohnung mischt sich Agnès Godards Kamera ganz nah in die Handgreiflichkeiten, verdichtet diese Szenen, in denen die Worte wie die Körper buchstäblich gegen Wände anrennen, zu unglaublicher Intensität – bis zur Katastrophe. Am Ende sitzt Isa in der Fabrik und montiert elektrische Stecker. Die Kamera fährt von Kollegin zu Kollegin, alle haben den gleichen weißen Arbeitsmantel an und alle montieren und montieren.
31.7. Donnerstag
Monrak Transistor
Thailand 2002. Regie: Pen-ek Ratanaruang. Mit Suppakorn Kitsuwan, Siriyakom Pukkavesh, Somlek Sakdikul, Black Pomtong. 121 min. OmU
"The story of two innocents who learn how cruel the world can be!" Pan, ein netter Bursch vom Land, zwischen seinen beiden großen Lieben: der schönen Sadaw und der Musik, die ihm seinen Traum erfüllen soll, ein berühmter Sänger zu werden. Ein märchenhaftes Melodram voll tragischer, schicksalhafter Wendungen und wundervoller, bittersüßer Balladen, festgemacht an den Songs von Surapol Sombatcharoen, der in den sechziger Jahren der größte Star in Thailand war, ehe er 1968 nach einem Konzert von einem Mann, der aus dem Nichts aufgetaucht war, erschossen wurde. "A captivating celluloid enterprise made carefully and with plenty of heart!"
1.8. Freitag
Dress Code: Faster, Pussycat Kill! Kill!
USA 1965. Regie: Russ Meyer. Mit Tura Satana, Lori Williams, Haji, Susan Bernard, Stuart Lancaster, Paul Trinka, Dennis Busch. 83 min. DF
"Superwomen! Belted, buckled and booted!" Eine blutige Spur des Schreckens ziehen drei böse Mädels, als sie mit ihren aufgemotzten Schlitten das US-Hinterland in Angst und Schrecken versetzen. Eine von ihnen bringt ein unbotmäßiges Mannsbild gar mit bloßen Händen zur Strecke. Gier & Lust führen fürwahr ein strenges Regiment in Meyers Schwarzweiß-Trash-Sex-Fantasie, dem krönenden Abschluss seiner "Steinbeck-Periode" der Mittsechziger, die sado-maso-melodramatisch zum ewig heißen Sommerhimmel des amerikanischen Südwestens schreit. "What's your point?" – "It's of no return, and you've reached it!"
2.8. Samstag
THE HEART OF THE WORLD
CAN 2000, Guy Maddin. 6 min
Die Welt droht unterzugehen. Eine Frau reist zum Erdkern und gibt der Welt ein neues, besseres Herz: KINO.
The Royal Tenenbaums
USA 2001. Regie: Wes Anderson. Mit Gene Hackman, Gwyneth Paltrow, Ben Stiller, Anjelica Huston, Luke Wilson, Danny Glover. 109 min. OmU
"Family isn't a word – it's a sentence!" Einst waren sie junge Genies, die Kinder der Tenenbaums, jetzt kehren sie gebrochen ins elterliche Heim zurück – da machen sie's wie ihr Vater, der sich vor Jahren mir nichts, dir nichts aus dem Staub gemacht hat und sich jetzt als angeblich Todkranker wieder Einlass bei seiner Noch-immer-Gemahlin erschleicht. Wie Cartoon-Charaktere auf der Suche nach Halt bewegen sie sich alle durch ein liebevoll dekoriertes, zeitloses, farbenfroh leuchtendes New York, geraten in urkomische Situationen und manch melancholischen Augenblick, während wunderbarste Musik (Ramones! Nico!) ihre Handlungen aufs Schönste zu kommentieren weiß. " What?" – "I didn't say anything." – "When? Right now?"
3.8. Sonntag
Wilde Erdbeeren
SWE 1957. Regie: Ingmar Bergman. Mit Victor Sjöström, Bibi Andersson, Ingrid Thulin, Gunnar Björnstrand, Max von Sydow. 91 min. DF
Eine Reise quer durch Schweden als Reise in die Vergangenheit: Brutalität, Trauer, Einsamkeit und Angst spiegeln sich in Professor Borgs steinaltem Gesicht, als er – begleitet von seiner Schwiegertochter – zu einer Ehrung an seine alte Universität fährt. Erinnerungen an die glückliche Jugendzeit ziehen vorüber, märchenhafte Traumsequenzen vermischen sich mit der Realität. "Ein Film von Ingmar Bergman", so Godard, "ist eine Vierundzwanzigstelsekunde, die eine Metamorphose durchmacht und sich dehnt zu anderthalb Stunden. Das ist die Welt zwischen dem zweimaligen Zucken der Wimpern, die Traurigkeit zwischen zwei Herzschlägen, die Lebensfreude zwischen zweimaligem In-die-Hände-Klatschen."
4.8. Montag
DAS BABY
Ö 1918, Hans-Karl Breslauer. 15 min
Kleiner Mann sucht große Frau. Restauriertes Komödienfragment mit Hans Moser in einer Nebenrolle.
Dress Code: The Seven Year Itch
USA 1955. Regie: Billy Wilder. Mit Marilyn Monroe, Tom Ewell, Evelyn Keyes, Oscar Homolka, Sonny Tufts, Robert Strauss. 105 min. OmU
"Sort of cools the ankles, doesn't it?" Aus dem U-Bahn-Schacht weht eine Brise herauf, Marilyns Kleid hebt sich, sie genießt die Kühle während eines heißen Sommers in New York: legendärer Moment der Filmgeschichte, fixer ikonographischer Bestandteil der Populärkultur. Marilyn spielt einen "Traum" in diesem Film, geträumt von einem Strohwitwer, der glaubt, dieser schönen Frau um jeden Preis imponieren zu müssen – was ihn aber grenzenlos überfordert. MM: "Let me just go put something on. I'll go into the kitchen and get dressed." – "The kitchen?" – "Yes, when it's hot like this - you know what I do? I keep my undies in the icebox."
5.8. Dienstag
Ghost World
USA 2000. Regie: Terry Zwigoff. Mit Thora Birch, Steve Buscemi, Scarlett Johansson, Brad Renfro, Illeana Douglas, Teri Garr. 111 min. OmU
"They're high school graduates – and the world's got hell to pay!" Die Schule ist vorbei – und Enid und Rebecca wollen auf gar keinen Fall so werden wie die faden Spießbürger ihrer kleinen Heimatstadt. Im tapferen Kampf gegen die schreckliche Monotonie der Erwachsenenwelt spielen sie anderen gerne Streiche – und lernen dabei eine verwandte Seele kennen: den schüchternen Mittvierziger Seymour, dessen Leidenschaft dem Sammeln alter Blues-Schellacks gehört. Nach Daniel Clowes' bekanntem Cartoon: ätzendes Gegengift zum Teenager-Unsinn des TV-Vorabendprogramms. "This is so bad it's almost good." – "This is so bad it's gone past good and back to bad again."
6.8. Mittwoch
L'avventura
I 1960. Regie: Michelangelo Antonioni. Mit Monica Vitti, Gabriele Ferzetti, Lea Massari, Renzo Ricci, James Addams. 145 min. OmeU
Das ruhige, machtvolle Atmen des Meeres. Der langsame und übermächtige Rhythmus der Dünung. Ein Boot treibt, nachdem der Motor gestoppt ist, mit der Restfahrt dahin. An den Felsen von Lisca Bianca steigt das Meer hoch und fließt wieder zurück. Jemand ist während eines Segelausflugs verschwunden. Die äußeren Ereignisse: ein Netz mysteriöser Geschichten um Liebe, Entfremdung, Täuschung und Zerfall. "Obwohl es ein Tonfilm ist", schrieb mir Oimel Mai, "fällt mir vor allem ein, wie ungemein traurig und schweigsam L'Avventura ist. Die Menschen sprechen aneinander vorbei." (Peter Nau)
7.8. Donnerstag
Swimming Pool
F 2003. Regie: François Ozon. Mit Charlotte Rampling, Ludivine Sagnier, Charles Dance, Marc Fayolle, Jean-Marie Lamour. 102 min. OmU
"Tout les oppose. Un secret va les réunir." Weil im Süden die Gefühle bekanntlich leichter erwachen als anderswo, bleibt auch der erfolgreichen britischen Krimiautorin Sarah Morton diese Erfahrung nicht erspart: Im Landhaus ihres Verlegers verbringt sie den Sommer, um zu neuer Inspiration zu finden, und trifft dort auf dessen Tochter Julie, die ihr Liebesleben ganz offen zur Schau stellt. Verwirrung der Gefühle. Beunruhigendes ereignet sich zwischen Fiktion und Wirklichkeit, ein Mord gar, der allerdings nur in der Fantasie begangen wird – oder doch nicht?
8.8. Freitag
Goodfellas
USA 1990. Regie: Martin Scorsese. Mit Robert De Niro, Ray Liotta, Joe Pesci, Lorraine Bracco. 145 min. OF.
"As far back as I can remember, I've always wanted to be a gangster." Das Mittelstück zwischen Mean Streets und Casino: Scorseses glorreiche Gangstertrilogie. In Goodfellas wird für einen jungen Italoamerikaner aus New York die Mafia zum amerikanischen Traum und zum Hort von Kino-Glamour. Scorseses sichere Hand kontrolliert die heiße, treibende Energie des Films, die sich schließlich in drogeninduziertes Nervenbibbern auflöst und zuletzt im Brackwasser der faden Alltäglichkeit endet.
9.8. Samstag
Casino
USA 1995. Regie: Martin Scorsese. Mit Robert De Niro, Joe Pesci, Sharon Stone, James Woods. 177 min. OF.
"They had it all, they ran the show, and it was paradise...while it lasted." Kein Regisseur hat den schönen Schein der Mafia ähnlich entmythologisiert wie Martin Scorsese. Im dritten Film seiner losen Crime-Trilogie über kleine Verbrecher und große Mobster vereinigt er erneut die "GoodFellas" Robert De Niro und Joe Pesci. Scorsese nähert sich dem großen amerikanischen Fresko, in dem die Haupthandlung zwar zentralperspektivisch bleibt, aber geradezu umtost wird von Details. Zwei Männer aus dem Mob arbeiten sich in Las Vegas hoch. In den Casinos zirkuliert das Geld, unter den Gangstern der Wahnsinn. Eine doppelte Bewegung: Der Film wird zum Exzeß, Robert De Niro zum Stoiker - So that's that, alles verloren. Ein Film-Gigant, still growing.
10.8. Sonntag
Strangers on a Train
USA 1951. Regie: Alfred Hitchcock. Mit Farley Granger, Robert Walker, Ruth Roman, Leo G. Carroll, Patricia Hitchcock. 101 min. OmU
"It begins with the scream of a train whistle – and ends with screaming excitement!" Auf dem Rummelplatz wird eine Frau umgebracht, die Kamera beobachtet den Mord als riesige Reflexion in einem der Brillengläser des Opfers – ein verzerrter Alptraum. Und im Showdown dieses eigenartigen Duells zwischen dem Tennischamp und dem geheimnisvollen Fremden rast ein Karussell wild dahin, gerät schließlich außer Kontrolle. "Was ich da gemacht habe", so Hitchcock später, "treibt mir noch heute den Schweiß auf die Stirn. Der Schausteller, der kleine Mann, der unter das rasende Karussell kriecht, hat wirklich sein Leben riskiert. Wenn er den Kopf nur um fünf Millimeter gehoben hätte, wäre er tot gewesen."
11.8. Montag
MONDO INFERNALE
Trailer des Grauens, 1975-77. 10 min
Catastrophe – Der letzte Schrei des Dschungels – Mondo Cannibale 2. Teil – Die weiße Göttin der Kannibalen.
Dress Code: Glen or Glenda
USA 1953. Regie: Edward D. Wood, Jr. Mit Bela Lugosi, Dolores Fuller, Edward D. Wood, Jr., Lyle Talbot, Timothy Farrell. 67 min. OF
"A daring exposé of a modern problem!" Glen ist mit Barbara verlobt, aber er traut sich nicht, ihr zu sagen, dass er Angora-Pullis liebt und nächtens als Glenda auszugehen pflegt. Ex-Marine Alan wiederum lässt sich operieren, um fortan als Ann weiterzuleben. Und Horrorfilm-Ikone Bela Lugosi als gottähnliche Gestalt namens Spirit unterbricht die bizarren Vorfälle vom Lehnstuhl aus mit noch bizarreren Kommentaren: "Pull the string! Dance to that which one is created for!" Tim Burton, der dem Regisseur mit Ed Wood ein Denkmal setzte: "Schlechte Filme sind solche, die man gleich wieder vergisst. An die Filme von Ed Wood aber wird man sich immer erinnern."
12.8. Dienstag
Tillsammans / Together
Regie: Lukas Moodysson. Mit Lisa Lindgren, Mikael Nykvist, Emma Samuelsson, Gustav Hammarsten, Anja Lundkvist. 106 min. OmU
"Funny, affectionate and beautifully jugded! One of the most heartening films of the year!" Wir schreiben 1975. In einer Stockholmer Kommune erproben eine Lesbe, ein Marxist, ein Vegetarier und diverse Kinder das Leben nach alternativem Modell. Diese Ordnung wird plötzlich von einer ganz normalen Hausfrau gestört, die mit ihren Sprösslingen vor ihrem Mann geflüchtet ist. Anekdotisch und komödiantisch spitzt Moodysson seine Situationen zu – und gibt doch seine Figuren niemals der Lächerlichkeit preis, sondern erzählt durch all ihre absurden Eskapaden hindurch mit Witz und Sympathie vor allem auch von ihrer Sehnsucht, der Einsamkeit zu entkommen. Und Abba, Nazareth ("Love Hurts") und eine Menge schwedischer Popmusik der Zeit unterstützen ihn dabei nach Kräften.
13.8. Mittwoch
LE FEE CARABOSSE
F 1906, Georges Méliès. 13 min
Der erste (und größte) Meister des Trickfilms: Buntkino als Handwerks- und Zauberkunst.
Nosferatu
D 1922. Regie: F. W. Murnau. Mit Max Schreck, Gustav von Wangenheim, Greta Schroeder, Alexander Granach, Max Nemetz. 94 min.
"Nosferatu – tönt dich dies Wort nicht an wie der mitternächtliche Ruf eines Totenvogels? Hüte dich, es zu sagen, sonst verblassen die Bilder des Lebens zu Schatten, spukhafte Träume steigen aus dem Herzen und nähren sich von seinem Blut!" Dem Tod buchstäblich bei der Arbeit zuschauen, wie er als Graf Orlok von Transsylvanien ins nordische Wisborg reist in dieser ersten Verfilmung von Bram Stokers "Dracula" – der grauenvolle, unheimliche Max Schreck, Urahn aller Kinovampire, in einer Liebesgeschichte der blutigsten Abgründe aus dem düster-expressiven Schattenreich bezwingender Kontraste in Schwarz und Weiß.
14.8. Donnerstag
Only the Strong Survive
USA 2002. Regie: Chris Hegedus, D.A. Pennebaker. 95 min. OmU
Wer kennt sie nicht, die famosen Soulsongs der Sechziger und frühen Siebziger: "Soul Man" von Sam and Dave, "Land of 1000 Dances" von Wilson Pickett, "Shaft" von Isaac Hayes, "You Can't Hurry Love" von den Supremes, "Have You Seen Her?" von den Chi-Lites und natürlich jenen Klassiker, der diesem Film den Namen gab, interpretiert von Jerry Butler. Im Sommer 1999 machten sich Hegedus/Pennebaker auf die Spuren dieser legendären schwarzen Veteranen des Rhythm & Blues – und fingen in der Folge in einer Reihe von Bühnenauftritten ihre Fähigkeit ein, ihr Publikum nach wie vor zu elektrisieren. And don't forget the one and only Ann Peebles: "I Can't Stand the Rain", oft gecovered, nie erreicht!
15.8. Freitag
Dress Code: Belle de jour
F/I 1967. Regie: Luis Buñuel. Mit Catherine Deneuve, Jean Sorel, Michel Piccoli, Geneviève Page, Pierre Clementi, Françoise Fabian. 101 min. OmU
Catherine Deneuve ist Sévérine, verheiratet, blond, zerbrechlich die Glieder, unnahbar, kühl und unbeweglich. Um ihre erotischen Wunschträume zu realisieren, verdingt sie sich als Prostituierte. Ein asiatischstämmiger Kunde von Madame Anaïs trägt ein mysteriöses Kästchen mit sich, aus dem nicht zu bestimmende Laute dringen. Nach einem Blick ins Innere, das uns vorenthalten wird, wenden sich alle Mädchen entsetzt ab, nur Sévérine bleibt. "Was ist in dem Kästchen?", wollte man immer wieder von Buñuel wissen. Seine Antwort: "Was Sie wollen." Sein Film: Ein unergründliches, doppelbödiges Spiel mit Traum und Realität, in dem sich die Ebenen immer wieder vermischen – permanente Verunsicherung in hinreißend schönen Bildern.
16.8. Samstag
Pulp Fiction
USA 1994. Regie: Quentin Tarantino. Mit John Travolta, Uma Thurman, Samuel L. Jackson, Harvey Keitel, Tim Roth, Amanda Plummer. 154 min. OmU
"You won't know the facts until you've seen the fiction!" Coolsein ist alles. Auch für Pumkin & Honey Bunny, Schmalspurausgabe von Bonnie & Clyde – blöd nur, dass die zwei beim Überfall auf einen Schnellimbiss ausgerechnet auf die noch cooleren Profikiller Vincent & Jules treffen. So beginnt's. Dann tritt Harvey Keitel auf und Bruce Willis und Ving Rhames und Uma Thurman und Christopher Walken. Alle sind smart, sexy, skrupellos. Handlungsfäden werden wie beiläufig ausgeworfen – und fügen sich am Ende auf wundersame Weise wieder zusammen. "What country are you from?" – "What?" – "I never heard of What. They speak English in What?"
17.8. Sonntag
YOURS
USA 1997, Jeff Scher. 5 min
Avant-Pop: Farbenprächtige Filmpsychedelics auf der Grundlage eines 40er-Jahre-Schlagers.
Cabin in the Sky
USA 1943. Regie: Vincente Minnelli. Mit Eddie "Rochester" Anderson, Lena Horne, Ethel Waters, Rex Ingram, Louis Armstrong. 99 min. OF
"Crowded with stars and songs and spectacle in the famed MGM manner!" Als Little Joe bei einem Streit über Spielschulden erschossen wird, streiten sich Himmel und Hölle um seine Seele: Der ewige Kampf zwischen Gut und Böse, von Vincente Minnelli mit ausschließlich afro-amerikanischen DarstellerInnen als temperamentvolles Musical in Szene gesetzt, in dem eine fantastische Nummer sich nahtlos an die andere reiht, vorwärtsgetrieben von einer ungemein rastlosen, neugierigen Kamera – als ob es darum ginge, die Geister stereotyper Rassenklischees, die sich in Song & Dance immer wieder Bahn brechen, in einem Kraftakt musikalischer Energie gleich wieder zu verscheuchen.
Archiv 2003