Archiv
2001
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12.7. Donnerstag
Eröffnungsfilm
My Man Godfrey
USA 1936. Regie: Gregory La Cava. Mit William Powell, Carole Lombard, Gail Patrick, Alice Brady, Eugene Pallette, Mischa Auer, Alan Mowbray. 95 min. OF.
Wenn die Reichen eine Party schmeißen und sich dabei wild antschechern, kommen sie auf die seltsamsten Ideen. Carole Lombard findet unter der Brooklyn Bridge einen Tramp und engagiert ihn aus einer Laune heraus als Butler für ihre blasierte Familie. Der Gute ist freilich kein Diener im eigentlichen Sinne… Von Gregory La Cava, dem zu Unrecht am wenigsten bekannten der großen Regisseure der Screwball Comedy, stammt dieses Prachtstück des Genres, ein Film mit sozialkritischem Einschlag und einer Fülle scharfzüngiger Dialoge und unglaublich lustiger Situationen. Hier sind tatsächlich alle verrückt: Man könnte fast meinen, die Psychosen der Figuren geben sich nur mit Mühe als irrwitziger Humor aus. |
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13.7. Freitag
eXistenZ
CAN/GB 1999. Regie: David Cronenberg. Mit Jennifer Jason Leigh, Jude Law, Willem Dafoe, Ian Holm, Don McKellar, Sarah Polley. 97 min. OmU.
"Play It! Live It! Kill For It!" Allegra Geller erfindet Computerspiele, die in eine Welt versetzen, die realer erscheint als die Realität; ihre Game-Pods aus Meta-Gewebe haben sie berühmt gemacht. Als die "Realisten" ein Attentat auf sie verüben, flüchtet sie ins virtuelle Universum ihrer neuen Kreation "eXistenZ". Cronenberg goes comedy, liefert eine sarkastische Parodie auf eigene Arbeiten wie Videodrome und Naked Lunch und macht sich mit seinen ausgesucht simplen Effekten gleich über‘s ganze Digital-Hi-Tech-Genre mit all seinen dröhnenden Effekten lustig. Ein ziemlich ausgelassener Gspaß. |
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14.7. Samstag
Casablanca
USA 1942. Regie: Michael Curtiz. Mit Humphrey Bogart, Ingrid Bergman, Paul Henreid, Claude Rains, Conrad Veidt, Peter Lorre. 102 min. OmU.
Die Leuchttags haben es geschafft: Nach bangem Warten ist es ihnen gelungen, ein Einreisevisum in die USA zu bekommen. "Liebchen, ah, sweetnessheart, what watch?" fragt Herr Leuchttag seine Frau. "Ten watch", antwortet sie. Darauf er: "Such much?" Da bleibt dem Ober Carl als höfliche Reaktion nur: "You will get along beautiful in America." Alle drei DarstellerInnen wurden von den Nazis aus Europa vertrieben, Ludwig Stössel aus Lockenhaus ebenso wie die Wienerin Ilka Grüning und Szöke Szakall aus Budapest. Casablanca ist der Exilfilm schlechthin, eine von rund 180 Produktionen, die in Hollywood während des Kriegs gegen die Nazis gedreht wurden. |
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15.7. Sonntag
The Third Man
GB 1949. Regie: Carol Reed. Drehbuch: Graham Greene. Mit Joseph Cotten, Alida Valli, Orson Welles, Trevor Howard, Ernst Deutsch, Paul Hörbiger. 104 min. OF.
"Ohdraht!" Mehr als das Kanalsystem, mehr als die Zithermusik von Anton Karas: Der dritte Mann liest sich als kritischer filmischer Kommentar zu jenen "Selbstverständlichkeiten" der Nachkriegszeit, die zeitgenössische österreichische Filme nur allzu gern immer wieder zu beschwören trachteten – und die bis heute das Selbstbild der Nation bestimmen: Kontinuität über Zeitläufe und politische Systeme hinweg, Opfermythos, Versöhnung von Gegensätzen statt offen ausgetragener Konflikte, die gesellschaftliche Definitionsmacht eines ewiggültigen Schicksals statt individueller und politischer Verantwortung. |
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16.7. Montag
Nénette et Boni
F 1996. Regie: Claire Denis. Mit Alice Houri, Grégoire Colin, Valéria Bruni-Tedeschi, Vincent Gallo, Jacques Nolot, Alex Descas. 103 min. OmU.
"God only knows what I'd be without you…" Im Herzen des Films stimmen die Beach Boys ihren schönsten Song an, Valéria Bruni-Tedeschi bewegt sich im Takt der Musik, im Widerstreit gegen jenen Takt, den Vincent Gallo als insistierender Beobachter vorgibt, ausgesetzt seinen Blicken, dabei unausgesetzt im Bild: ein Ensemble von Rhythmus, Bewegung und Melodie, das im Kino seinesgleichen sucht. Claire Denis erzählt mit bestechendem Gefühl für‘s Detail und höchster kinematographischer Anteilnahme die Geschichte dieses Paares – und vor allem jene der jugendlichen Geschwister Nénette und Boni, die gegen alle Widrigkeiten des Lebens zusammenhalten (müssen). |
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17.7. Dienstag
Kiss Me Deadly
USA 1955. Regie: Robert Aldrich. Mit Ralph Meeker, Albert Dekker, Paul Stewart, Cloris Leachman, Maxine Cooper, Gaby Rodgers, Wesley Addy. 105 min. OmU.
"Manhattan Project…Los Alamos…Trinity…" Beschwörungsformeln für die atomare Apokalypse, ausgesprochen in Eisenhowers Amerika in den finsteren Tagen des Kalten Kriegs, im weißglühendsten, radikalsten aller Films Noirs. Die Credits laufen verkehrt durch‘s Bild, die Welt ist buchstäblich aus den Angeln gehoben in dieser Adaption eines Mike-Hammer-Romans von Mickey Spillane, eine Welt der fortwährenden Täuschung und Korruption, in der Detektiv und Verbrecher längst eins geworden sind, eine Welt, die gebaut ist auf Gewalt & Geschwindigkeit. Mit anderen Worten: einer der besten Filme aller Zeiten und Länder. |
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18.7. Mittwoch
Go West
USA 1925. Regie: Buster Keaton. Mit Buster Keaton, Howard Truesdale, Kathleen Myers, Brown Eyes, Ray Thompson, Joe Keaton. 69 min. Stummfilm
Friendless alias Buster Keaton kommt in den wilden Westen, um Cowboy zu werden. Wie immer riskiert er Kopf und Kragen für seine Angebetete – doch diesmal ist "sie" eine liebreizende Kuh namens Brown Eyes. Sie beschützt ihn vor wütenden Stieren, er bewahrt sie mittels manch tollkühner Aktion vor dem Schlachter. Der ungeschickte Cowboy wird schließlich doch noch zum Helden: Im roten Teufels-Kostüm lockt er eine wildgewordene Rinderherde in den Stall – eine Stampede-Szene mit tausend Tieren mitten in Los Angeles! Go West: ein oder zwei Schritte in Richtung Chaplin, "eine intelligente komische Übung in Sentimentalität" (Daniel Moews). |
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19.7. Donnerstag
Preview: Requiem for a Dream
USA 2000. Regie: Darren Aronofsky. Mit Ellen Burstyn, Jared Leto, Jennifer Connelly, Marlon Wayans, Christopher McDonald, Louise Lasser. 100 min. OF.
Eine rasante Abfolge von Bildern, die zuweilen an Robert Franks Photographien denken lassen, von vier Charakteren, denen es an einer Geschichte mangelt, die nur in der Gegenwart ihrer Träume, Ängste, vor allem aber ihrer Sucht leben. Exaltierte Weitwinkeleinstellungen, zerfallende Gesichter in Großaufnahme zu den beunruhigenden Soundstrukturen des Kronos Quartet. "Aronofsky gelingt die Evokation subjektiven Drogenerlebens, weniger indem er grässliche Visionen zeigt (einzig ein bedrohlicher Kühlschrank fällt in dieses Register), sondern indem er objektive filmische Äquivalente für Erfahrungsdissoziationen findet." (Ekkehard Knörer) |
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20.7. Freitag
The Matrix
USA 1999. Regie: Andy und Larry Wachowski. Mit Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Carrie-Anne Moss, Hugo Weaving, Gloria Foster. 136 min. OF.
"Believe the Unbelievable!" Wir schreiben das Jahr 2199. Roboter sind an der Macht und halten die unwissenden Menschen in einer virtuellen Welt gefangen. Doch Rettung naht: Der Computerhacker Neo wird von Cyber-Punk-Rebellen dazu auserkoren, die Scheinrealität namens "Matrix" aus den Angeln zu heben. Gut, dass er die fliegende Superfrau Trinity an seiner Seite hat, gut, dass er Kung Fu beherrscht, gut vor allem, dass der Film unglaubliche Special Effects bietet – und eine seltsam berückende Atmosphäre zwischen Traum und Wirklichkeit. "The future isn't user-friendly!" |
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21.7. Samstag
Badlands
USA 1973. Regie: Terrence Malick. Mit Martin Sheen, Sissy Spacek, Warren Oates, Ramon Bieri, Alan Vint, Gary Littlejohn, John Carter. 95 min. OF.
"I always wanted to be a criminal, I guess, just not this big a one." Ende der fünfziger Jahre. Holly, 15, und Kit, Mitte 20, wollen zusammensein: Holly will ihrem feinen, aber langweiligen Elternhaus entfliehen, Kit schaut wie James Dean aus und bietet sich als der an, der diese Sehnsucht stillen könnte. Hollys Vater stellt sich der Verbindung entgegen, was folgt, sind Mord, Flucht und ein Weg ohne Ziel durch die amerikanische Provinz. Eine blutige Ballade von Tod und Gewalt. "Ich wollte den Film wie ein Märchen einrichten", so Regisseur Malick, "außerhalb der Zeit, wie 'Die Schatzinsel'. |
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22.7. Sonntag
Scorpio
USA 1973. Regie: Michael Winner. Mit Burt Lancaster, Alain Delon, Gayle Hunnicutt, Paul Scofield, John Colicos, J. D. Cannon, Joanne Linville. 114 min. OF.
"When Scorpio wants you... there is no place to hide!" Burt Lancaster ist Cross, Alain Delon ist Jean alias Scorpio. Beide arbeiten für die CIA. Cross will aussteigen, um mehr Zeit für seine Frau zu haben, sein Schüler Jean soll auf Befehl von oben seinen einstigen Lehrmeister umbringen, weil der (angeblich) zu viel weiß. "Strauß, Strauß, Strauß! Aber niemals Schönberg oder Webern!" klagt Cross' Freund Max, ein Cellist, über seinen Job – denn gut die Hälfte dieses Thrillers spielt in Wien, wo sich die Geheimdienste im Kalten Krieg bekanntlich besonders wohl gefühlt haben. Für Wien-Feinspitze unvergesslich: Delon & Lancaster in wilder Jagd über und durch die riesige U-Bahn-Baustelle am Karlsplatz. |
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23.7. Montag
One, Two, Three
USA 1961. Regie: Billy Wilder. Mit James Cagney, Arlene Francis, Pamela Tiffin, Horst Buchholz, Liselotte Pulver, Leon Askin, Howard St. John. 108 min. Panavision. OmU.
Wir schreiben 1961. MacNamara ist Coca-Colas Mann in West-Berlin, er soll auf Scarlett, die Tochter seines Chefs, aufpassen – doch die verliebt sich in Otto Piffl, einen jungen Kommunisten aus Ost-Berlin. Wilders temporeichste Komödie, ein Stakkato aus messerscharfen Dialogen, ein Feuerwerk an Gags, ein Rundumschlag in alle Richtungen: Kapitalismus, Kommunismus, die nicht aufzuhaltende Amerikanisierung Europas und, nicht zuletzt, die Rolle der Deutschen während des Kriegs. "Just between us, Schlemmer, what did you do during the war?" - "I was in der Untergrund: the underground." – "Resistance fighter?" – "No, motorman. In the underground, you know, the subway." |
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24.7 Dienstag
Shock Corridor
USA 1963. Regie: Samuel Fuller. Mit Peter Breck, Constance Towers, Gene Evans, James Best, Hari Rhodes, Larry Tucker, Paul Dubov. 101 min. OF.
Ein Reporter, versessen auf den Pulitzerpreis, schmuggelt sich als Patient in eine psychiatrische Anstalt, um einen Mord aufzuklären. Er erfüllt seine Mission, bezahlt dafür allerdings einen hohen Preis, "wird ins Verrücktsein getrieben durch den Wahnsinn, auf den er prallt: God's Own Country's Krankheiten im Konzentrat – Rassenhass, Atomangst und Leistungswahn. Amerika in der Zwangsjacke, das Irrenhaus als nationale Metapher. Schlagzeilen-Kino. Die Kamera als Schock, der Schnitt als Knockout" (Harry Tomicek). Eine groteske, ekstatische Vision in gleißendem Schwarzweiß. |
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25.7. Mittwoch
Pierrot le fou
F/I 1965. Regie: Jean-Luc Godard. Mit Anna Karina, Jean-Paul Belmondo, Dirk Sanders, Raymond Devos, Samuel Fuller, Christa Nell. 112 min. Techniscope. OmU.
"Film is like a battleground. Love. Hate. Action. Violence. Death. In one word: emotion." Ein legendärer Satz der Filmgeschichte, ausgesprochen vom Regisseur Sam Fuller, der hier als (Party)Gast im Film seines französischen Kollegen auftritt. Und Godard bemüht sich nach Kräften, das Diktum einzulösen, wenn er das letzte romantische Paar, Karina & Belmondo, auf eine an Bonnie & Clyde gemahnende mörderische Reise schickt, eine Reise gen Süden, eine Reise durch Kino, Malerei, Literatur und Musik, eine Reise vor allem durch die Farben Blau und Rot. Der Klassiker der Nouvelle Vague schlechthin. |
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26.7. Donnerstag
The Red Shoes
GB 1948. Regie: Michael Powell, Emeric Pressburger. Mit Adolf Wohlbrück, Marius Goring, Moira Shearer, Robert Helpmann, Albert Bassermann. 133 min. OmU.
"A Dancing, Singing, Swinging Love Tale!" Großes Melodram. Leuchtende Farben, prächtige Dekors, leidenschaftliche Gefühle, alles aufgelöst und aufgehoben in einer Geschichte, die sich um Tanz dreht, die vor allem getanzt wird. Der Impresario Lermontow, mit abgründiger Grandezza verkörpert von Adolf Wohlbrück, hat eine neue Ballett-Truppe zusammengestellt. Als die Primaballerina ausscheidet, erhält die junge Victoria (Moira Shearer) ihre große Chance; in "The Red Shoes" nach Hans Christian Andersen wird sie zum Star. |
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27.7. Freitag
Kurzer Prozess
BRD 1967. Regie: Michael Kehlmann. Mit Helmut Qualtinger, Alexander Kerst, Otto Tausig, Kurt Sowinetz, Walter Kohut, Bruni Löbel. 101 min.
Dialog zweier Wiener Schauspieler: "Sie legten dem keine Bedeutung bei?" – "Ich legte nichts bei." Der eine ist Polizei-Inspektor (Helmut Qualtinger), der andere bösartig und verdächtig (Walter Kohut). Warm ums Herz wird einem bei soviel abgrundtiefer Verschlagenheit! Selten auch gab es im österreichischen Film eine Szene wie jene zu sehen, in der ein rabiater Kleinbürger einem Inspektor eine Weinflasche nachschmeißt und ihm ohne jedes Outrieren wie selbstverständlich nachbrüllt: "Kiberer, gehts in Oasch!" |
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28.7. Samstag
Ghost Dog: The Way of the Samurai
USA 1999. Regie: Jim Jarmusch. Mit Forest Whitaker, John Tormey, Cliff Gorman, Henry Silva, Isaach de Bankolé, Tricia Vessey, Victor Argo. 116 min. OmU.
"Live by the code. Die by the code." Ghost Dog ist ein schwarzer Auftragskiller, ein altertümlich-asketischer Krieger, der nach dem "Hagakure" lebt und handelt, der Schrift des Samurai. So archaisch er seine Existenz bestreitet, so sophisticated ist sein Handwerkszeug, das sich aus den neuesten Errungenschaften der Waffentechnik zusammensetzt. Zwischen dem alten Japan, dem Milieu der Mafia, die sein Auftraggeber ist, und der urbanen Welt des HipHop wandelt dieser moderne, belesene Geselle, in einem Film reich an lakonischem Humor, verwitterten Gangstervisagen und dem hypnotischen Soundtrack von RZA. |
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29.7. Sonntag
Die Vier im Jeep
CH 1951. Regie: Leopold Lindtberg. Mit Ralph Meeker, Viveca Lindfors, Yoseph Yadin, Michael Medwin, Paul Dinan, Hans Putz, Harry Hess. 100 min.
Wien 1950. Jeden Morgen zur gleichen Zeit stellen sich die Soldaten der internationalen Polizei im Hof des Palais Auersperg zur Inspektion bereit: der Amerikaner William Long, der Franzose Marcel Pasture, der Engländer Harry Stuart und der Russe Wassilij Voroschenko. Nun wird die Gruppe in die Wohnung einer Wienerin gerufen, die die Heimkehr ihres Mannes aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft erwartet – dramatische Geschehnisse nehmen ihren Anfang. Ein überaus spannender Thriller mit komödiantischem Einschlag, ein Trümmerfilm in Schwarzweiß vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs, dicht und eindringlich inszeniert vom gebürtigen Wiener Leopold Lindtberg, den die Nazis in die Schweiz vertrieben hatten. |
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30.7. Montag
Sunrise
USA 1927. Regie: Friedrich Wilhelm Murnau. Mit Janet Gaynor, George O'Brien, Bodil Rosing, Margaret Livingston, J. Farrell MacDonald. 110 min. Stummfilm mit Musik.
Ein Bauer, der sich in eine Frau aus der Stadt verliebt, lässt sich, von ihr angestachelt, beinahe zu einem Mord hinreißen. Doch die Liebe zu seiner Ehefrau ist stärker. Aus der melodramatischen Situation entwickelt Murnau ein filmisches Poem von ungeheurer Kraft. Gefühlsbetontes Kino, das wie Musik komponiert ist. Blicke und Gesten werden zu stilisierten Bildzeichen für innere Haltungen, Gefühle und Widersprüche. Ein Film von berückender Schönheit, "komponiert aus fluiden Bildern, tanzenden Schatten und leuchtenden Irrlichtern" (Harry Tomicek). |
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31.7. Dienstag
Lost Highway
SA 1997. Regie: David Lynch. Mit Bill Pullman, Patricia Arquette, Robert Blake, Balthazar Getty, Robert Loggia, Gary Busey. 134 min. OF.
Ich bin ein anderer. Aus Bill Pullman wird Balthazar Getty – oder auch nicht. Ich bin eine andere – Patricia Arquette wandelt sich von der passiven Brünetten zum blonden Vamp – oder auch nicht. Lost Highway bleibt unerklärlich, unauflösbar, rätselhaft. Den schönsten Moment inmitten der düster-unheimlichen, suggestiven Thrillerhandlung beschert uns Lynch mit einem Popklassiker von Doc Pomus & Mort Shuman, hier intoniert von Lou Reed: "This magic moment, when your lips are close to mine…" – der erste Blick zwischen Mann und Frau, extreme Zeitlupe, traumartiges, überlebensgroßes Kino im schwachen Stroboskoplicht. |
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1.8. Mittwoch
Performance
GB 1970. Regie: Donald Cammell, Nicolas Roeg. Mit James Fox, Mick Jagger, Anita Pallenberg, Michèle Breton, Ann Sidney. 105 min. OmU.
"See them all in a film about fantasy. And reality. Vice. And versa."
Ein psychopathischer Killer bringt durch seine Gewalteskapaden das Syndikat in Schwierigkeiten und muss flüchten. Er findet beim Rockmusiker Turner (Mick Jagger) Unterschlupf, der seine abflauende Karriere irgendwie wieder in Gang bringen will. Das Böse und die Dekadenz, der Gangster und der Hippie, der Killer und der Dandy. Die Swinging Sixties am Ende, aufgelöst in einem schwindelerregenden, mythisch-romantischen Taumel, in dem sich zwei famose Rocknummern austoben dürfen: Jaggers "Memo from Turner" und Randy Newmans "Gone Dead Train". |
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2.8. Donnerstag
Preview: Jesus' Son
USA 1999. Regie: Alison Maclean. Mit Billy Crudup, Samantha Morton, Denis Leary, Greg Germann, Holly Hunter, Dennis Hopper. 110 min. OmU.
Die 70er. Der junge Fuckhead, kurz FH genannt, schlägt sich mit Drogen herum und Gaunereien durch: eine ruhelose Seele. Durch eine Reihe von – komischen, schrecklichen, surrealen – Begegnungen findet er schließlich Erlösung. "Jesus' Son, episodisch und in zeitlichen Ellipsen angelegt, bewegt sich souverän durch groteske Szenen und deren mitunter tragischen Ausgang. Das Lachen wird immer wieder sanft ausgebremst und der Film verliert nie den liebevollen Blick auf seine desorientierten Helden." (Isabella Reicher) Der schöne instrumentale Titeltrack stammt vom famosen, hierzulande viel zu wenig bekannten Singer-Songwriter Joe Henry. |
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3.8. Freitag
Immer Ärger mit Harry
USA 1955. Regie: Alfred Hitchcock. Mit Edmund Gwenn, John Forsythe, Shirley MacLaine, Mildred Natwick, Mildred Dunnock, Royal Dano. Vistavision. 99 min. DF.
"He looked exactly the same when he was alive, only he was vertical!" Harry Worp macht Ärger, denn Harry Worp ist tot. Und jede(r) scheint sich für seinen Tod verantwortlich zu fühlen in dieser schwarzen Komödie, in denen von Schuldkomplexen geplagte liebe Menschen den armen Mann immer wieder be- und ausgraben. Zum Ausgleich sozusagen spielt sich alles im hellsten Sonnenschein ab, im schönsten, buntesten Herbst des malerischen Vermont. Truffaut: "Man spricht von der Leiche, als sei es eine Schachtel Zigaretten." Hitchcock: "Das ist mein Prinzip. Mich amüsiert nichts mehr als die Komik des Understatement." |
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4.8. Samstag
Repulsion
GB 1965. Regie: Roman Polanski. Mit Cathérine Deneuve, Ian Hendry, John Fraser, Patrick Wymark, Yvonne Furneaux, James Villiers. OmU.
"One of the best horror films of the mind!" Die junge Carol (Cathérine Deneuve) entwickelt eine ständig wachsende Furcht vor ihrer Umwelt, vor allem vor Männern, verbarrikadiert sich zu Hause, bringt zuerst ihren Freund, später auch ihren Vermieter um. Eine Fallstudie, ein klinischer Krankenbericht. Akribisch, ohne Mitleid und ohne Vorwurf, inszeniert Polanski den Prozess der psychischen Zerstörung eines Menschen, kommt dabei ganz ohne billige Gruseleffekte aus, lässt die BetrachterInnen durch behutsames Auf- und Abblenden daran Anteil nehmen, wie das anonyme Böse von Carol zunehmend Besitz ergreift. |
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5.8. Sonntag
Liebelei
D 1933. Regie: Max Ophüls. Mit Magda Schneider, Wolfgang Liebeneiner, Luise Ullrich, Willy Eichberger, Gustaf Gründgens, Olga Tschechowa, Paul Hörbiger. 90 min.
Ein Verhältnis, eine Liebe, ein Duell mit tödlichem Ausgang, ein Selbstmord. Schnitzlers Drama wird von Ophüls leise und melancholisch erzählt, weniger in Worten als in Blicken, Gesten, fließenden Kamerafahrten und subtil kommentierender Musik, im Berliner Studio ein Wien erfindend, dessen Trugbild den Abgrund des wirklichen Wien, das Schnitzler entwirft, noch bitterer macht. "Über Liebelei lag ein Glücksstern", schrieb Ophüls später über sein Melodram, das im deutschen Kino bis heute unerreicht blieb; kaum war es beendet, musste er ebenso aus Deutschland fliehen wie die Autoren Hans Wilhelm und Curt Alexander und der legendäre Kameramann Franz Planer. |
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6.8. Montag
Barry Lyndon
GB 1975. Regie: Stanley Kubrick. Mit Ryan O'Neal, Marisa Berenson, Patrick Magee, Hardy Krüger, Steven Berkoff, Gay Hamilton. 183 min. OF.
Irland 1760. Barry Lyndon, ein junger Mann von zweifelhafter Geburt, zieht aus, sein Glück zu machen. Nach Kriegs- und Spionagediensten steigt er gesellschaftlich auf, lebt verschwenderisch in Saus und Braus, muss allerlei Schicksalsschläge hinnehmen – und steht am Ende seinem verhassten Stiefsohn im Duell gegenüber. Ein eisiger Kostümfilm, mit Bildern, wie sie das Kino nie zuvor gesehen hatte: Tableaus wie von Gainsborough oder Reynolds gemalt, Innenräume, deren einzige Lichtquelle ein paar Kerzen sind, Landschaften von atemberaubender Tiefe. "Ein episches Panorama visueller Prachtentfaltung", schrieb Hans C. Blumenberg, "das selbst den delirischen Trip zu den Sternen in 2001 in den Schatten stellt."" |
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7.8. Dienstag
The Misfits
USA 1961. Regie: John Huston. Mit Clark Gable, Marilyn Monroe, Montgomery Clift, Eli Wallach, Thelma Ritter, James Barton. 124 min. OmU.
"It shouts and sings with life … explodes with love!" Die Nachtclubtänzerin Roslyn, deren Ehe gescheitert ist, lernt in Reno drei Männer kennen: den alternden Cowboy Clark Gable, den Ex-Bomberpiloten Eli Wallach und den abgetakelten Rodeoreiter Montgomery Clift. Sie folgt ihnen in die Berge, wo sie wilde Pferde einfangen – und ist entsetzt, als sie merkt, dass die Mustangs nicht gezähmt, sondern an eine Fleischfabrik verkauft werden sollen. Ein Endzeit-Western: Rien ne va plus, die Träume von Freiheit und Pioniergeist sind längst ausgeträumt. Und eine Liebeserklärung des Dramatikers Arthur Miller, der die Rolle der Roslyn seiner Frau Marilyn Monroe auf den Leib schrieb. |
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8.8. Mittwoch
Outer Space
Ö 1999. Regie: Peter Tscherkassky. 10
min.
The Entity
USA 1981. Regie: Sidney J. Furie. Mit Barbara Hershey, Ron Silver, Jacqueline Brookes, David Labiosa, George Coe, Alex Rocco. 115 min. OF.
"Something evil is after Carla Moran, and it will stop at nothing to get her!" Eine junge Frau wird wiederholt von einer unsichtbaren Macht vergewaltigt. Ein Psychologe meint, sie bilde sich alles nur ein, auch Familie und Freunde nehmen die Sache nicht ernst. Erst eine Gruppe von Parapsychologen entwickelt einen Plan, um den Dämon zu fangen und Carla von ihren Qualen zu befreien. Ein unglaublich spannender, geradezu nervenzerfetzender Horrorthriller. In seinem ebenso mitreißenden Avantgardefilm Outer Space (1999) benutzte der Wiener Filmemacher Peter Tscherkassky Teile aus The Entity, um das Genre spielerisch zu befragen. |
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9.8. Donnerstag
I Married a Witch
USA 1942. Regie: René Clair. Mit Fredric March, Veronica Lake, Robert Benchley, Susan Hayward, Cecil Kellaway, Elizabeth Patterson. 76 min. OmU.
"She knows all about love potions – and lovely motions!" Ein Hexer, der mit seiner Tochter im 17. Jahrhundert vom puritanischen Inquisitor Jonathan Wooley zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt wurde, stößt kurz vor seinem Tod den Fluch aus, dass dessen Nachkommen niemals glücklich heiraten werden. Der Fluch geht bis in die Gegenwart in Erfüllung, wo sich Wallace Wooley gerade mit einer biestigen Frau verlobt. Ein Blitz lässt die Seelen der Hexen frei, und des rachsüchtigen Hexers Tochter Jennifer soll Wooley nun kompromittieren. Doch der für ihn gebraute Liebestrank wird Jennifer eingeflößt… Eine turbulente Komödie vom Feinsten, Hollywood at its very best.
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10.8. Freitag
Die amerikanische Nacht
(La nuit américaine) F/I 1972. Regie: François Truffaut. Mit Jacqueline Bisset, Jean-Pierre Aumont, Valentina Cortese, Jean-Pierre Léaud, François Truffaut. 116 min. DF.
Dreharbeiten in Nizza. Regisseur Ferrand – Truffaut spielt sich gewissermaßen selbst – inszeniert das Melodram "Meine Ehefrau Pamela". Hinter den Kulissen ereignen sich allerlei menschliche Tragödien: Alkoholprobleme, dramatische amouröse Verwicklungen, ein tödlicher Unfall. Ein liebevoller, an Zwischentönen reicher Film über's Filmemachen, ein Vexierspiel über Sein und Schein, von subtiler Komik und exzellent gespielt. Einmal sitzt Truffaut in seinem Büro und lauscht am Telefon einer Melodie seines Hauskomponisten Georges Delerue, während aus einem Paket vor ihm Filmbücher über seine großen Vorbilder quillen: Buñuel, Dreyer, Lubitsch, Bergman, Godard, Hitchcock, Rossellini, Hawks, Bresson…
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11.8. Samstag
Arsenic and Old Lace
USA 1944. Regie: Frank Capra. Mit Cary Grant, Priscilla Lane, Raymond Massey, Peter Lorre, Josephine Hull, Jean Adair, Jack Carson. 118 min. OmU.
"Insanity runs in my family... it practically gallops!" Kurz nach seiner Heirat mit der bezaubernden Elaine entdeckt der Schriftsteller Mortimer Brewster (Cary Grant), dass in seiner Familie der Wahnsinn um sich greift. Dass sein Bruder Jonathan ein steckbrieflich gesuchter, psychopathischer Mörder ist, weiß er längst. Doch nun merkt er, dass seine beiden scheinbar harmlos-liebenswürdigen Tanten alleinstehende ältere Herren mit einem ganz speziellen Holunderbeerwein vergiften – aus lauter Gutmütigkeit, um sie von ihrer Einsamkeit zu erlösen. Klassische Gruselkomödie, in der das Absurde mit einer Selbstverständlichkeit zelebriert wird, dass es eine Freud' ist.
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12.8. Sonntag
Kassbach
Ö 1978. Regie: Peter Patzak. Mit Walter Kohut, Immy Schell, Konrad Becker, Monika Schöpfer, Walter Davy, Hanno Pöschl, Erni Mangold. 110 min.
Karl Kassbach, Mitte 50, Greißler, verheiratet, ein Sohn, wird Mitglied der rechtsextremen Organisation "Initiativ", die zahlreiche Anschläge und Attentate im Wiener Raum durchführt. Ein Leben zwischen Kohlrabi, Bier, Schießübungen und gewalttätigen Ausbrüchen gegen "Volksschädlinge". Angesiedelt haben Patzak und Co-Autor Helmut Zenker ihren Film in der Brigittenau, wo sie aufgewachsen sind. Einmal spielen Kassbach und seine Haberer Karten um eine Sexpuppe aus Vinyl: "Was sagst jetzt? An der is alles dran." – "Stimmt", sagt Kassbach, "sehr handlich. Außerdem redts net zruck." Patzak: "Nein, Kassbach ist wirklich kein Monster – er ist nur schrecklich normal."
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13.8. Montag
Der blaue Engel
D 1930. Regie: Josef von Sternberg. Mit Emil Jannings, Marlene Dietrich, Kurt Gerron, Hans Albers, Rosa Valetti, Karl Huszar-Puffy. 108 min.
"Nimm dich in acht vor blonden Frauen!" Der verklemmte Lehrer Professor Rath verliebt sich in die Varieté-Künstlerin Lola-Lola, die im Etablissement "Blauer Engel" eindeutige Lieder zum Besten gibt. Er heiratet sie, lässt sich von ihr demütigen, versucht erfolglos, sie umzubringen, kehrt vereinsamt in seine Schule zurück, setzt sich an sein altes Katheder und stirbt. Die Kunst, ein Milieu so wiederzugeben, dass es kaum wahrnehmbare Gefühle sichtbar macht, die hohe Kunst des Melodramatischen, mit einer weiblichen Protagonistin im Zentrum, deren Modernität noch heute verblüfft. Der blaue Engel machte Marlene Dietrich zum Weltstar und ebnete ihr den Weg nach Hollywood.
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14.8. Dienstag
Raging Bull
USA 1980. Regie: Martin Scorsese. Mit Robert De Niro, Cathy Moriarty, Joe Pesci, Frank Vincent, Nicholas Colasanto, John Turturro. 128 min. OF.
Jake La Motta, der wütende Stier aus der Bronx, die unbarmherzige Kampfmaschine, die nach wilden Ringschlachten 1949 die Weltmeisterschaft im Mittelgewicht erobert, um später als Witzereißer in drittklassigen Lokalen ihr Dasein zu fristen: Scorsese erzählt diese Biographie als düsteres Protokoll einer langsamen Selbstzerstörung, als Psychogramm eines krankhaft eifersüchtigen, atavistischen Männlichkeitsritualen ergebenen Boxers, der der Bruder von Taxi Driver Travis Bickle sein könnte (ebenfalls gespielt von Robert De Niro), in einem Little Italy, von Kameramann Michael Chapman in mythisches, unwirkliches Schwarzweiß getaucht.
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15.8. Mittwoch
Viva Las Vegas!
USA 1964. Regie: George Sidney. Mit Elvis Presley, Ann-Margret, Cesare Danova, William Demarest, Jack Carter, Ivan Triesault, Nicky Blair. 86 min. Cinemascope. OmU.
"Hey, mama, don't you treat me wrong, come and love your daddy all night long, all right…" singt Elvis. Frenetisch schüttelt Ann-Margret dazu ihren Körper, enthusiasmiert, aberwitzig, a sheer delight. Wer hier nicht mit den Beinen wippt, den Fingern schnippt oder gleich aufsteht und mittanzt! Was Preslmeier & A.M. hier aufführen, kann man nicht anders bezeichnen denn als Rhythm & Sex: Ray Charles' klassischer Heuler "What'd I Say" als Kopulationsmontage aus orgiastischen Schreien und Bewegungen und einem über alles zusammenstürzenden Klangkörper. Das Filmmusical am absoluten Höhepunkt – wen interessiert da noch, dass der King hier einen Rennfahrer mimt.
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16.8.
Donnerstag
Preview: The Mission (Qiang huo)
Hongkong 1999. Regie: Johnnie To. Mit Anthony Wong Chau-sang, Francis Ng Chun-yu, Jackie Liu Chung-yin, Roy Cheung, Simon Yam. 81 min. OmU.
Auf den Gangsterboss Lung wird ein Attentat verübt; fünf Killer werden beauftragt, die Verantwortlichen dafür aufzuspüren. Während des Jobs kommen einander die Männer näher – bevor ein Mordbefehl von oben ihre Freundschaft auf eine harte Probe stellt. Johnnie To hat Jean-Pierre Melvilles klassische Gangsterfilme aus den sechziger und siebziger Jahren, etwa "Le samourai", offensichtlich genau studiert: Statt auf stakkatoartige Actionszenen vertraut er auf wunderbar stilisierte, brillant choreographierte Tableaus und zerdehnt die Situationen bis zu einem Punkt, wo die Spannung das Bild buchstäblich zu zerreißen droht.
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17.8. Freitag
Fight Club
USA 1999. Regie: David Fincher. Mit Brad Pitt, Edward Norton, Helena Bonham Carter, Meat Loaf, Jared Leto, George Maguire, Zach Grenier. 139 min. OF.
"First rule of Fight Club is: You don't talk about Fight Club!" Das Leben ist fad, wenn man alles hat und trotzdem nichts fühlt. Edward Norton, Erzähler des Films, sucht deshalb Gruppen zur Selbsterfahrung auf: Er schmarotzt ungestört am Leiden anderer. Wenn man nichts mehr fühlt, braucht es den Schmerz, um zu wissen, dass man lebt – und den bringt Brad Pitt ins Spiel, brutal und selbstbewusst, ein böser Bube und konsumfeindlicher Rebell. Fight Clubs entstehen, in denen Männer sich schlagen, um noch etwas zu empfinden – und schließlich als Untergrundarmee gegen die dunklen Mächte des Kapitalismus kämpfen. "Rasantes Tempo, virtuose visuelle Effekte, ein atemberaubender Alptraum." (W. O. P. Kistner)
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18.8. Samstag
Le Goût des autres
F 2000. Regie: Agnès Jaoui. Mit Anne Alvaro, Jean-Pierre Bacri, Brigitte Catillon, Alain Chabat, Agnès Jaoui, Gérard Lanvin. 112 min. OmU.
Als der Unternehmer Castella mit seiner Gattin eine Theatervorstellung besucht, verliebt er sich prompt in die nicht gerade jugendliche Hauptdarstellerin, die ihm in der Folge Englischunterricht gibt. Rund um die drei knüpft Regisseurin Agnès Jaoui ein dichtes Netz von Beziehungen und Geschichten, in denen Castellas Chauffeur und sein Bodyguard, eine Kellnerin und allerlei Theatervolk aufeinandertreffen. Eine intelligente, in Frankreich phänomenal erfolgreiche Gesellschaftskomödie mit äußerst geschliffenen Dialogen, die die Bourgeoisie und die kulturlose Welt der Neureichen auf ironische Weise aufs Korn zu nehmen weiß.
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19.8. Sonntag
The Band Wagon
USA 1953. Regie: Vincente Minnelli. Mit Fred Astaire, Cyd Charisse, Oscar Levant, Nanette Fabray, Jack Buchanan, James Mitchell. 112 min. OF.
Ein alter, aus der Mode gekommener Entertainer versucht ein Comeback – mit Hilfe eines Broadwayproduzenten, dem eher der Sinn nach Shakespeare als nach einer Revue steht. Dass er's natürlich trotzdem schafft, und mit Bravour, wird angesichts von Fred Astaire niemanden überraschen. In leuchtendem Technicolor ist ihm Cyd Charisse eine kongeniale Partnerin, und bei Songs wie "Dancing in the Dark" und "That's Entertainment" kann man gar nicht anders als beschwingt mitzusingen. Stimmt schon, trotz Singin' in the Rain, was ein gscheiter Mensch einmal geschrieben hat: "The best musical of the month, the year, the decade, or for all I know of all time!"
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Archiv
2001
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