Archiv
1999
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15.7. Donnerstag
Eröffnungsfilm
Easy Living
USA 1937. Regie: Mitchell Leisen.
Mit Jean Arthur, Edward Arnold, Ray Milland, Luis Alberni,
Franklin Pangborn, William Demarest. 86 min. OF.
Wenn ein sündteurer Pelzmantel
vom Dach eines Wolkenkratzers geworfen wird und mitten auf
einer einfachen Stenotypistin landet, ist das nicht der schlechteste
Ausgangspunkt fÜr eine Screwball Comedy; noch dazu, wenn
der geniale Preston Sturges sie geschrieben hat. Das Mädel
kriegt den Mantel geschenkt – und verliert deswegen ihren
Job beim Magazin "The Boys‘ Constant Companion" Von
nun an passieren die verrücktesten Sachen: Der hektisch-geschäftige
Mr. Louis Louis vom Hotel Louis drängt ihr um sieben Dollar
die Woche die Imperial Suite auf, des Mantelspenders Sohn löst
eine Slapstick-Katastrophe im Automatencafé aus, und
ein Klatschreporter namens Wallace Whistling (!) treibt in
seiner Kolumne "The Back Door" die Mißverständnisse
auf die Spitze. Mit anderen Worten: grenzenlos komisch. |
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16.7. Freitag
Planet der Vampire (Terrore nello
spazio)
I/E 1965. Regie: Mario Bava.
Mit Barry Sullivan, Norma Bengell, Angel Aranda, Evi Morandi, Fernando Villena, Ivan Rassimov, Rico Boido. 86 min. Colorscope. DF.
Astronauten irren durch den Nebel eines fremden Planeten, stets der Gefahr ausgesetzt, daß ihre Körper von den vampirischen Bewohnern Übernommen werden. Licht, Dekor und Musik erzeugen eine ungemein spannungsgeladene Atmosphäre von Schrecken und Bedrohung, an die Stelle krachender Special Effects tritt die kreative Intelligenz von Mario Bava, italienischer B-Movie-Weltmeister aller Klassen. Die perfekte Verschmelzung von Horror und Science-Fiction, ein wahrhaft grauenerregender Klassiker des Schundfilms – mit einer famosen Schlußpointe obendrein.
Screening sponsored by MGM Studios |
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17.7. Samstag
Bonnie and Clyde
USA 1967. Regie: Arthur Penn.
Mit Warren Beatty, Faye Dunaway, Michael J. Pollard, Gene Hackman, Estelle Parsons,
Gene Wilder, Denver Pyle. 111 min. OF.
Das amerikanische Kino auf den Spuren der Nouvelle Vague. Die Autoren Robert Benton & David Newman hatten kurz zuvor Godards Außer Atem gesehen, waren begeistert, wollten "etwas in dieser Art in Angriff nehmen". Das Ergebnis erschöpft sich nicht in inhaltlichen Parallelen, benutzt vielmehr die fragmentierte Erzählweise des Vorbilds, dessen elliptische Montage und das Prinzip des filmischen Zitats, um dem US-Genrekino neue Wege zu weisen. Bonnie and Clyde versucht, die herkömmliche erzählerische Form zu sprengen, in einer gewalttätigen, exzessiven Mischung aus Slapstick und Todesballett, die vor allem eines anstrebt: Modernität. |
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18.7. Sonntag
The Bad and the Beautiful
USA 1952. Regie: Vincente Minnelli. Mit Kirk Douglas, Lana Turner, Dick Powell, Walter Pidgeon, Barry Sullivan, Gloria Grahame, Vanessa Brown, Gilbert Roland. 118 min. OF.
Lana Turner als Alkoholikerin, die vom Produzenten Kirk Douglas eine neue Karrierechance als Filmschauspielerin bekommen hat. Nach der umjubelten Premiere fährt sie mit einer Flasche Champagner freudestrahlend zu seinem Haus, um mit Douglas zu feiern. Sie wird von ihm am Fuß der Treppe empfangen, da erscheint eine Rivalin in seinem Schlafrock. Im Wagen bricht Lana vollends zusammen, die Scheinwerfer zucken wie ein Trommelfeuer von Rampenlichtern und Bogenlampen über die Windschutzscheibe. Gefühle aufwallen und dann mit einem Schlag abstürzen lassen: Selten fand dieses klassische melodramatische Motiv berÜhrenderen Ausdruck als in Minnellis Film. |
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19.7. Montag
Groundhog Day
USA 1993. Regie: Harold Ramis. Mit Bill Murray, Andie MacDowell, Chris Elliott, Stephen Tobolowsky, Brian Doyle-Murray, Marita Geraghty, Angela Paton. 103 min. Panavision. OmU.
"I Got You Babe": Sonny & Cher als morgendlicher Weckruf, Tag fÜr Tag – und was danach passiert, ist auch Tag für Tag ein und dasselbe. So ergeht es in dieser Komödie dem zynischen TV-Wetteransager Bill Murray, der nach Punxsutawney, Pennsylvania, geschickt wurde, um von dort eine Live-Reportage des örtlichen "Murmeltiertages" zu liefern. Erst durch die Macht der Liebe und allerlei gute Pfadfindertaten vermag er sich aus der enervierenden Zeitschleife zu befreien. Clevere Einfälle, gelungene Wendungen. |
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20.7. Dienstag
Barbarella
F/I 1968. Regie: Roger Vadim. Mit Jane Fonda, John Philip Law, Anita Pallenberg, Milo OÕShea, David Hemmings, Marcel Marceau, Ugo Tognazzi, Claude Dauphin. 98 min. Panavision. OmU.
Eine phantastische Reise ins Reich von Sex & Science-Fiction. Mit einem Striptease beginntes, dann düst Jane Fonda im Jahre 40.000 in ihrem Raumschiff durchs All, um einen verschwundenen Wissenschaftler zu suchen, der mit einer geheimen Superwaffe von der Erde geflohen ist. Duran Duran heißt er, die bekannte Popband lieh sich seinen Namen. Barbarellas Hauptbeschäftigung ist freilich eine andere: Sie verführt einen blinden Engel und ergeht sich in orgiastischer Liebe zu einem Revolutionär – durch Pillenschlucken und Berührungen der Finger. Eine bunte Mischung aus poppigen Outfits, schrägen Dekors, Ironie und Sadomasochismus, nach dem erfolgreichen Comic von Jean-Claude Forest. |
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21.7. Mittwoch
Scaramouche
USA 1952. Regie: George Sidney. Mit Stewart Granger, Eleanor Parker, Janet Leigh, Mel Ferrer, Henry Wilcoxon, Nina Foch, Lewis Stone, Robert Coote, Richard Anderson. 118 min. OmU.
En garde! Nirgends wird so gefochten wie hier zwischen Lebemann und Revolutionär André Moreau und dem Favoriten der Königin, Marquis de Maynes: Stewart Granger, letzter der ungebrochenen Abenteurer, gegen Mel Ferrer, den charmantesten, feschesten aller Schurken des Mantel-und-Degen-Films. George Sidneys Genrestück ist ein Fest der Farben und Ideen, überschäumend vor prächtigen Dekors, exzellenten Choreographien, Witz und feinen amourösen Verwicklungen. Warum unser Held letztlich den Rotschopf Eleanor Parker verschmäht und sich stattdessen die blasse Janet Leigh erkürt – das bleibt freilich ganz allein sein Geheimnis. |
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22.7. Donnerstag
Caro Diario
I 1993. R: Nanni Moretti. Mit Nanni Moretti, Renato Carpentieri, Antonio Neiwiller, Claudia della Seta, Rafaella Lebboroni, Jennifer Beals, Alexandre Rockwell. 100 min. OmU.
Nanni Morettis intimes Tagebuch in drei Kapiteln. 1) Eine Vespafahrt durch die verlassenen Straßen des sommerlichen Rom zur Musik von Leonard Cohen, ein Kinobesuch. 2) Die Inseln Stromboli, Lipari, Salina, Rivalität unter Bewohnern und Touristen, ein befreundetes Ehepaar, ein TV-Fanatiker. 3) Die Krankheitsgeschichte Morettis, Ärzte, die alle ein Mittel parat, aber keine dauerhafte Lösung haben. – Nüchterne Bestandsaufnahme und himmelschreiend komische Realsatire in einem. "In der Tat", so Moretti, "könnte der Film ,Inseln’ heißen oder ,Von einer Insel zur andern’. Die verschiedenen Viertel Roms sind unterschiedliche Inseln, sei es im Sinne der Architektur oder der sozialen Klassen, sei es in der Art, sie zu sehen oder wie man sie sich gerne vorstellen möchte." |
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23.7. Freitag
The French Connection
USA 1971. Regie: William Friedkin.
Mit Gene Hackman, Fernando Rey, Roy Scheider, Tony LoBianco, Marcel Bozzuffi, Frederic De Pasquale, Eddie Egan. 104 min. OmU.
"Doyle is bad news, but a good cop." Gene Hackman spielt Jimmy "Popeye" Doyle, der besessen seinem Job nachgeht, Rauschgiftschmugglern das Handwerk zu legen. Da kann es schon passieren, daß er Süchtige verdrischt und versehentlich einen Kollegen erschießt. "Everyone gets to go to the moon" singen die Three Degrees: bittere Ironie angesichts des Pessismismus, der über The French Connection liegt. Der Polizist, heißt es einmal, ist auf seine Weise genauso süchtig wie die Fixer, die er verfolgt. Doyle wird zum Amokläufer, der auch nicht verhindern kann, daß der Boß des Syndikats entkommt und das System weiter reibungslos funktionieren kann. Im übrigen wird eine brillant choreographierte und montierte Verfolgungsjagd zwischen Bahn und Auto geboten, wie sie das Kino bis dahin noch nicht gesehen hatte. |
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24.7. Samstag
The Big Lebowski
USA 1998. Regie: Joel Coen.
Mit Jeff Bridges, John Goodman, Julianne Moore, David Huddleston, Steve Buscemi, John Turturro, Ben Gazzara, David Thewlis. 127 min. OmU.
"You don‘t fuck with the Jesus!" John Turturro als Jesus Quintana, größenwahnsinniger mexikanischer Bowling-Champion: Das zeitgenössische US-Kino kennt wohl kaum einen lustigeren Gastauftritt. Brillant auch John Goodman als Vietnam-Veteran, der wegen der Sabbat-Ruhe zum Judentum konvertiert ist und mit Steve Buscemi nur mittels eines einzigen Satzes kommuniziert: "Shut the fuck up, Donny!" Dabei sind sie doch Freunde – auch des abgehalfterten Althippies Lebowski alias The Dude alias El Duderino (Jeff Bridges), der sich seinen Spitznamen von Dean Martin in Rio Bravo geborgt hat. Das aberwitzige Verweiskino der Brüder Coen in voller Blüte, auf den Spuren von Russ Meyer, The Big Sleep, Hitchcock, Dali und der psychoanalytischen Filmtheorie: postklassisches Hollywood im besten Sinne. |
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25.7. Sonntag
Monkey Business
USA 1952. Regie: Howard Hawks.
Mit Cary Grant, Ginger Rogers, Marilyn Monroe, Charles Coburn, Hugh Marlowe, Henri Letondal, Robert Cornthwaite, Esther Dale. 97 min. OF.
"Er ist der beste Komödienschauspieler der Welt", meinte Howard Hawks einmal über Cary Grant, mit dem er nicht weniger als fünf Filme drehte. Hier gibt Grant einen Wissenschaftler, der mit einem Verjüngungselixier experimentiert, eine Überdosis davon schluckt und urplötzlich zum Kind wird: Er bemalt sich wie ein Indianer und neckt allerlei verwegene Streiche aus. Am Ende bricht das Teufelszeug gar über die versammelten Wissenschaftler und Direktoren des Chemiewerkes herein, sie toben im Labor herum, spritzen und planschen, ärgern einander wie richtige Lauser. Intelligenz und Zivilisation auf infantilen, kreatürlichen Abwegen, ein Sieg der komischen Anarchie. |
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26.7. Montag
Dark Star
USA 1974. Regie: John Carpenter.
Mit Dre Pahich, Brian Narelle, Cal Kuniholm, Dan O‘Bannon, Joe Saunders, Miles Watkins, Cookie Knapp. 83 min. DF.
Der Weltraum, unendliche Weiten. Die "Dark Star" ist unterwegs, um instabile Planeten zu zerstören. Den Kontakt zur Erde hat sie längst verloren, das Schiff verkommt, der Bordcomputer meldet trotzdem täglich "alle Systeme klar". Als die Luke des Bombenschachts klemmt, droht eine Explosion – und die scharfe Bombe diskutiert mit der Besatzung über den Sinn des Lebens. Eine einfallsreiche Parodie auf Kubricks 2001, entwickelte sich Carpenters Regiedebüt bald zum Kultfilm. "Die religiösen Tendenzen in 2001 Örgerten mich dermaßen, daß ich mir vornahm, einen sehr realistischen Film zu machen, der mit beiden Beinen auf dem Boden der Wirklichkeit steht und so triviale Fragen anspricht wie: "Wie wäscht man seine Unterhosen in einem Raumschiff?" |
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27.7. Dienstag
Lola Montez
BRD/F 1955. Regie: Max Ophüls.
Mit Martine Carol, Adolf Wohlbrück, Peter Ustinov, Oskar Werner, Willy Eichberger, Ivan Desny, Henri Guisol, Lise Delamare. 110 min. Cinemascope. DF.
"Ein Raubtier – hundertmal gefährlicher als alle Löwen und Tiger. Ein Teufel im Engelsgewand! Zerfetzte Herzen, vergeudete Vermögen – die Sarabande der Liebe. Zepter und Kronen, Umsturz und Revolution. Glanz und Leidenschaft, Triumph und Absturz. Lola Montez, die wirkliche Gräfin von Landsfeld." Deklamiert Peter Ustinov, der Ringmeister des Mammoth Circus, seine größte Attraktion vorführend, die berühmte Tänzerin und Geliebte Lola Montez, der das Publikum für 25 Cent das Stück Fragen stellen darf. In Rückblenden läuft, vielstimmig und vielfach gebrochen, die Geschichte ihres "skandalösen" Lebens ab. Eine kritische Analyse der Verdinglichung des Weiblichen, unternommen von Max Ophüls unter Zuhilfenahme seiner unbestechlichen optique trés feminine. |
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28.7. Mittwoch
Modern Times
USA 1936. Regie: Charles Chaplin.
Mit Charlie Chaplin, Paulette Goddard, Henry Bergman, Chester Conklin, Stanley "Tiny" Sandford, Louis Natheaux. 89 min. Stummfilm mit Musik von Charles Chaplin. OF.
Charlie ist in jedem Sinne eingespannt, als Maschinist in einer Fabrik, die ihre Arbeiter auf Bildschirmen überwacht und in den Pausen mit Frühstücksmaschinen abfüttert. "Das Fließband ist eine endlose Folterbank, ein motorisiertes Golgatha", schrieb Eisenstein, "und Chaplin tanzt auf dieser Folterbank ein Menuett wie nach Mozartscher Musik!" Im Getriebe der Maschine wird Charlie fast zermalmt, er landet schließlich in Heilanstalt und Gefängnis. Die ausgegebene Parole von Chaplins letztem Stummfilm (in dem er, in groteskem Kauderwelsch, immerhin ein Lied zum Besten gibt): Anarchismus. Der war weder von links noch von rechts zu vereinnahmen. |
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29.7. Donnerstag
Preview
Dieu seul me voit
F 1998. Regie: Bruno Podalydès.
Mit Denis Podalydès, Jeanne Balibar, Isabelle Candelier, Cecile Bouillot, Michel Vuillermoz, Jean-Noël Broutê. 118 min. OmU.
Albert ist 30 und Toningenieur. Da kann er den Geräuschen der Welt zuhören und wird in Frieden gelassen. Albert ist ein Zauderer, der eines Tages darangeht, sich drei energischen Frauen zu stellen. "Ich beschrieb die männlichen Figuren", so Regisseur Podalydès über seine Komödie, "als ob sie noch Kinder wären, die spielen, erwachsen zu sein. Sie schlagen sich noch immer während der Pause, sie lachen über dieselben Dummheiten. Die weiblichen Figuren sind im Gegensatz dazu Erwachsene, die aber gerne spielen." |
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30.7. Freitag
Der schweigende Stern
DDR/Polen 1960. Regie: Kurt Maetzig.
Mit Yoko Tani, Oldrich Lukes, Ignacy Machowski, Julius Ongewe, Michail N. Postnikow, Kurt Rackelmann, Günther Simon. Totalvision. 93 min. DF.
1970 entdeckt eine internationale Expedition auf der Venus die Überreste einer gigantischen Vernichtungsmaschine. Die Herrscher der Venus planten vor Jahrzehnten, 1908, die atomare "Ausrottung" der Menschheit, doch eine einzige Fehlleistung zerstörte ihre Anlagen und löschte ihre eigene Zivilisation restlos aus: Die Atomwaffe führte zur Selbstvernichtung des Aggressors. Nach Stanislav Lems Roman "Die Astronauten" (1951) entstand im Breitwandformat diese pazifistische Space Opera der ostdeutschen DEFA-Produktion. Herausragend: die Sets von Anatol Radzinowicz, besonders die tote Venus-Stadt, die bizarren Landschaften und die feuerspuckenden Vulkane. |
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31.7. Samstag
L.A. Confidential
USA 1997. Regie: Curtis Hanson.
Mit Kevin Spacey, Russell Crowe, Kim Basinger, Guy Pearce, David Strathairn, Danny DeVito, James Cromwell, Graham Beckel. 136 min. OmU.
Los Angeles, 1953. Ein Massaker, bei dem auch ein vom Dienst suspendierter Polizist ums Leben kommt, hat weitere Morde zur Folge, immer mehr Personen scheinen auf mysteriöse Weise in den Fall verstrickt. Das schöne Beispiel eines Neo-Film-Noir, der sich nicht in billigen Zitaten und Anspielungen erschöpft, sondern seine gewalttätige Geschichte um Korruption und Verrat mit allen ihren Verwicklungen und Irritationen gelassen und souverän zu erzählen weiß und den ambivalenten Figuren viel Raum und Zeit zur Entwicklung gibt. Eine düstere Milieustudie, die leicht auf Noir-Klischees wie lange Schatten und Jalousien verzichten kann: "Wenn nicht alles so modern und zeitgemäß aussähe, würde man sagen: ein wunderbar altmodischer Film." (Frank Schnelle) |
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1.8. Sonntag
Le Mépris
F/I 1963. Regie: Jean-Luc Godard.
Mit Brigitte Bardot, Michel Piccoli, Jack Palance, Georgia Moll, Fritz Lang, Jean-Luc Godard, Linda Véras. 105 min. Cinemascope. OmeU.
Jean-Luc Godard dreht auf Capri einen Auftragsfilm mit stattlichem Budget, finanziert von den Großproduzenten Carlo Ponti und Joseph E. Levine, besetzt mit Superstar Brigitte Bardot. Während letztere im Bild ist, zitiert Fritz Lang als Fritz Lang, der in Le Mépris für einen amerikanischen Produzenten einen altmodischen Odysseus-Film dreht, einmal die kurze Ballade "Hollywood" eines anderen B.B. herbei: "Jeden Morgen mein Brot zu verdienen, gehe ich auf den Markt, wo Lügen gekauft werden. Hoffnungsvoll reihe ich mich ein zwischen die Verkäufer." Kunst und Kommerz, das Alte und das Neue, Hollywood und die Nouvelle Vague, ein Film übers Filmemachen, ein intellektuelles und sinnliches Vergnügen, bei dem man aus dem Staunen nicht herauskommt. |
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2.8. Montag
Frau im Mond
D 1929. Regie: Fritz Lang.
Mit Willy Fritsch, Gerda Maurus, Klaus Pohl, Gustav von Wangenheim, Fritz Rasp, Tilla Durieux, Hermann Vallentin.
150 min. Stummfilm mit Musik. DF.
Eine Expedition unter Führung des Weltraumforschers Professor Manfeldt entdeckt in den Mondbergen Gold. Der amerikanische Teilnehmer, Agent der Wall Street, will damit allein zur Erde zurückkehren; es kommt zu einer Schießerei und dramatischen Verwicklungen. Eine Space Opera der Ufa, immens aufwendig produziert in einer 123 mal 56 Meter großen Halle der Studios in Babelsberg. Was die Technologie betrifft, lag Lang mit seiner Darstellung des Aufbruchs zu neuen Horizonten ziemlich richtig, dank der beiden Experten Hermann Oberth und Willy Ley, die dann noch Bedeutendes für die Entwicklung der Weltraumfahrt leisten sollten. |
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3.8. Dienstag
Victor/Victoria
USA 1982. Regie: Blake Edwards.
Mit Julie Andrews, James Garner, Robert Preston, Lesley Ann Warren, Alex Karras, John Rhys-Davies, Graham Stark. 133 min. Panavision. OF.
1933 dreht Reinhold Schünzel für die Ufa den Komödienklassiker Viktor und Viktoria mit Renate Müller. Knapp 50 Jahre später reüssiert Blake Edwards mit diesem Remake: Julie Andrews als ausgebrannte Sängerin im Paris der dreißiger Jahre, die sich als Mann ausgibt und damit auf der Bühne rauschende Erfolge feiert. Eine Frau spielt einen Mann, der noch dazu eine Frau spielt – und die Männer liegen ihm/ihr zu Füßen. Ein neckisches, höchst unterhaltsames Spiel mit Rollen und Identitäten, geistreich und stilsicher, delikat balancierend zwischen Romantik und Zynismus, Slapstick und Subtilität. |
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4.8. Mittwoch
In a Lonely Place
USA 1950. Regie: Nicholas Ray.
Mit Humphrey Bogart, Gloria Grahame, Frank Lovejoy, Carl Benton Reid, Art Smith, Jeff Donnell, Martha Stewart, Steven Geray, Robert Warwick. 94 min. OmU.
"He‘s nobody." Bogie, in seiner besten Rolle, spielt Dixon Steele, einen verkrachten Drehbuchautor, den sein cholerisches, gewalttätiges Wesen immer wieder in Schwierigkeiten bringt. Als eine Garderobiere ermordet wird, gerät er in Verdacht – doch die Frau von Gegenüber verschafft ihm ein Alibi. Was sich daraus entwickelt, ist eine der schönsten traurigsten Liebesgeschichten, die das Kino kennt: Humphrey Bogart und Gloria Grahame und ein paar Wochen eines Glücks, das doch nicht währen darf. "I was born when she kissed me. I died when she left me. I lived a few weeks while she loved me." Bei Nicholas Ray, schrieb Manuela Reichart, sieht man das Leben im Kino. |
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5.8. Donnerstag
Preview: Fin août, début septembre
F 1998. Regie: Olivier Assayas.
Mit Mathieu Amalric, Virginie Ledoyen, François Cluzet, Jeanne Balibar, Alex Descas, Arsinée Khanjian, Nathalie Richard. 112 min. OmU.
Ein Jahr im Leben einer Gruppe von Menschen, ihre Beziehungen, Ängste, Verletzungen und Ambitionen. Im Zentrum des Films stehen der Schriftsteller Adrien und sein Freund Gabriel. Beide haben sich unter Schmerzen von ihren langjährigen Freundinnen getrennt und sind neue Beziehungen eingegangen: Adrien mit einem sehr jungen Mädchen, Gabriel mit der Designerin Anne. Was sie alle zusammenführt, ist Adriens Krankheit: Er muß damit zurechtkommen, daß er nicht mehr lange leben wird. In nervösen Kamerabewegungen, mit Hilfe der Creme de la creme jüngerer französischer Darsteller/innen erzählt Regisseur Assayas, Anfang Vierzig, intensiv und scheinbar mühelos von den emotionalen Befindlichkeiten seiner Generation. |
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6.8. Freitag
On connaît la chanson
F 1997. Regie: Alain Resnais.
Mit Pierre Arditi, Sabine Azéma, Jean-Pierre Bacri, André Dussolier, Agnès Jaoui, Lambert Wilson, Jane Birkin. 122 min. OmU.
Wo eigene Worte nicht weiterhelfen, springen mit ein paar Zeilen Gilbert Bécaud, Charles Aznavour, Dalida oder France Gall ein: Gesang als integraler Bestandteil des Alltags und der alltäglichen Gefühle. Das interessiert Alain Resnais, wenn er seine Musterexemplare der Pariser Bourgeoisie, ihre Liebschaften und Eifersüchteleien, Wünsche und Illusionen, Vermutungen und Verdächtigungen paradieren läßt. Immer wieder singen sie für Momente lippensynchron zu Chansons aus fünf Jahrzehnten, kommentieren so die Handlung, treiben sie voran, drücken sie aus. On connaît la chanson folgt hierin genialen britischen TV-Musicals wie The Singing Detective etwa oder Lipstick On Your Collar. Resnais hat sie in origineller Weise variiert, sein Film ist ihrem Schöpfer gewidmet, dem 1994 verstorbenen Dennis Potter. |
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7.8. Samstag
Aliens
USA 1986. Regie: James Cameron.
Mit Sigourney Weaver, Carrie Henn, Michael Biehn, Paul Reiser, Lance Henriksen, Bill Paxton, Jenette Goldstein. 137 min. OF.
Ripley is back. Sieben Jahre (Realzeit) bzw. 57 Jahre (Filmzeit) nach ihrem Auftritt in Ridley Scotts Alien wird Sigourney Weaver gerufen, um eine Gruppe von schlachterprobten Marines anzuführen, die dem neuerlichen Wüten des glitschigen außerirdischen Monsters ein Ende bereiten soll. Ripley überwindet ihre traumatischen Erinnerungen, läßt ihre mittlerweile tiefbürgerliche Existenz hinter sich, rafft sich auf – getreu dem alten Westerner-Motto "a man‘s gotta do what a man‘s gotta do". Die Special-Effects-Technologie hat sich seit damals stark weiterentwickelt, und so kommt Aliens zwar weniger philosophisch, dafür umso rasanter, actionreicher und smarter daher als sein Vorgänger. |
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8.8. Sonntag
American Gigolo
USA 1980. Regie: Paul Schrader.
Mit Richard Gere, Lauren Hutton, Hector Elizondo, Nina Van Pallandt, Bill Duke, Frances Bergen, Tom Stewart, Patti Carr. 117 min. OmU.
Das amerikanische Kino auf den Spuren des französischen, Teil 2. Die Liebesszene zwischen Richard Gere, Luxusboy für reiche Frauen, und Lauren Hutton folgt Godards Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß, im übrigen hält sich Paul Schrader an Pickpocket und andere Filme von Bresson. "Das Thema ist die Unfähigkeit zu lieben, die Metapher dafür ist der Gigolo", meinte der Regisseur. "Es ging darum, einen Film über Oberflächen zu machen, einen ganz und gar kalten Film, der dann am Ende durch einen heftigen leidenschaftlichen Ausbruch der Gefühle völlig verändert und transformiert wird." Gere als existententieller Held à la Dostojewski und Camus, in einem Moralitätenspiel vor der Hochglanzkulisse von Los Angeles. |
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9.8. Montag
Some Like It Hot
USA 1959. Regie: Billy Wilder.
Mit Tony Curtis, Jack Lemmon, Marilyn Monroe, Joe E. Brown, George Raft, Pat O‘Brien, Mike Mazurki, Nehemiah Persoff, Joan Shawlee. 119 min. OmU.
"Nobody‘s perfect", meint im letzten Bild der Millionär Osgood Fielding, als die von ihm hofierte "Daphne" alias Jack Lemmon ihre Perücke herunternimmt und sich als Mann zu erkennen gibt – eine Zeile, die zum Klassiker wurde. Wilders Film ist eine Komödie der Travestie: natürlich was die Handlung betrifft, aber auch, weil er das Produkt und zugleich die treffsichere Parodie anderer Filme, Scarface und Public Enemy etwa, darstellt – und eines ganzen Genres, des Gangsterfilms. Marilyn Monroe wiederum interpretiert hier als Sugar Kane jenen Song, den man sich ohne sie gar nicht mehr vorstellen kann: "I wanna be loved by you." |
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10.8. Dienstag
Deconstructing Harry
USA 1997. Regie: Woody Allen.
Mit Woody Allen, Caroline Aaron, Kirstie Alley, Eric Bogosian, Richard Benjamin, Billy Crystal, Judy Davis, Demi Moore, Elisabeth Shue. 96 min. OmU.
Ein Schauspieler steht vor der Kamera und wird plötzlich unscharf: blöde Gschicht‘. So geht es hier Robin Williams, den man schließlich als Mann "out of focus" mit dieser unerklärlichen Krankheit nach Hause schickt. Ein schöner Einfall als Kommentar und allegorische Anmerkung zu dem, was in Deconstructing Harry Sache ist: Die künstlerische Existenz des Helden (Woody Allen als Schriftsteller mit Schreibblockade) bricht ebenso auseinander wie sein von der Midlife Crisis erschüttertes Privatleben. Harry Block wird von seinen Romanfiguren verfolgt, reales und fiktionales Filmleben vermischen sich, gegen Ende folgt gar eine Aufzugfahrt buchstäblich in die Hölle. Vertrautes von Woody Allen, originell variiert. |
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11.8. Mittwoch
Rio Bravo
USA 1959. Regie: Howard Hawks.
Mit John Wayne, Dean Martin, Angie Dickinson, Ricky Nelson, Walter Brennan, Ward Bond, Claude Akins, John Russell, Bob Steele. 141 min. OF.
"By the river Rio Bravo...‘ Als Howard Hawks gefragt wurde, warum in Rio Bravo soviel gesungen wird, antwortete er mit blanker Logik: "Das ist nur natürlich. Die Helden sitzen gefangen. Außerdem sind zwei der Hauptdarsteller Sänger." Dean Martin nämlich und Ricky Nelson. Die beiden unterstützen Sheriff John T. Chance alias Wayne im heroischen Verteidigungskampf gegen die Bande eines mächtigen Ranchers, der seinen Bruder aus dem Gefängnis befreien will. Dino alias Dude, siehe The Big Lebowski, ist ein Säufer, Nelson ein Greenhorn, und der Vierte im Bunde, Walter Brennan, ein alter Krüppel. Die ganze Tradition des Western steht hinter diesem Film, einem schillernden, herzerwärmenden und auch noch sehr lustigen Klassiker in Technicolor. |
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12.8. Donnerstag
Preview: The Opposite of Sex
USA 1997. Regie: Don Roos.
Mit Christina Ricci, Martin Donovan, Lisa Kudrow, Lyle Lovett, John Galecki, Ivan Sergei, William Lee Scott, Colin Ferguson. 108 min. OmU.
Sex in der Provinz nach Lesart des Hollywood-Mainstream: Da wäre der übliche Konformismus zu erwarten gewesen oder billiger Klamauk oder beides. Weit gefehlt. Im Regiedebüt des vormaligen Drehbuchautors Don Roos wirbelt die 16jährige DeDee, hinreißend verkörpert von Christina Ricci, das Leben einer Kleinstadt in Indiana erfrischend unkonventionell, freizügig und manchmal politisch höchst unkorrekt durcheinander. Kaum überfallsartig bei ihrem schwulen Halbbruder eingezogen, macht sie seinem neuen Liebhaber Avancen – und das ist nur der Beginn einer Reihe turbulenter Ereignisse, in denen stets ein (selbst)ironischer Tonfall dominiert, nicht zuletzt auch durch DeDees Kokettieren mit dem Publikum, wenn sie als Ich-Erzählerin ihre hinterfotzigen Kommentare zum Besten gibt.
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13.8. Freitag
Rebecca
USA 1940. Regie: Alfred Hitchcock.
Mit Joan Fontaine, Laurence Olivier, George Sanders, Judith Anderson, Nigel Bruce, Reginald Denny, C. Aubrey Smith, Leo G. Carroll. 130 min. OmU.
"You can never go back to Manderley again...‚ Hitchcocks erster Hollywoodfilm – und doch sind Stoff, Milieu, Schauspieler und Regisseur vollkommen britisch. Erzählt wird, nach Daphne du Maurier, die Geschichte einer jungen Gesellschafterin, die einen Lord heiratet, den die Erinnerung an seine erste Frau Rebecca verfolgt: Sie ist auf rätselhafte Weise ums Leben gekommen. Auf dem riesigen Herrensitz Manderley wird die junge Frau von der Hausdame Mrs. Danvers, die noch immer der Toten ergeben ist, bevormundet und terrorisiert. Rätselhafte Ereignisse, Schatten der Erinnerung, ein ausgesprochen romantisches, stimmungsvolles, spannendes Gothic Noir-Märchen: "Die Heldin ist Aschenbrödel und Mrs. Danvers eine der bösen Schwestern." (Hitchcock)
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14.8. Samstag
The Birds
USA 1963. Regie: Alfred Hitchcock.
Mit Rod Taylor, Tippi Hedren, Jessica Tandy, Suzanne Pleshette, Veronica Cartwright, Charles McGraw, Ethel Griffies, Joe Mantell. 120 min. OmU.
Wieder eine Geschichte von Daphne du Maurier: Vögel greifen in Meeresnähe Menschen an. Vielleicht hat sie der knallrote Postkasten der örtlichen Lehrerin Annie Hayworth allzu sehr provoziert – man trägt womöglich nicht ungestraft den Namen von Hollywoods rothaariger Sexgöttin. Ähnlich verschlagenen bis leicht blödsinnigen Witz zeichnet Hitchcocks Thriller insgesamt aus, immens spannend ist er freilich nach wie vor. "Nachdem Sie nette Vögel gezeigt haben, die den Menschen die Augen aushacken", meinte Truffaut, "müßten Sie jetzt eigentlich eine Geschichte mit Blumen machen, deren Duft die Menschen vergiftet." – "Nein", erwiderte Hitchcock, "man müßte Blumen zeigen, die Menschen fressen."
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15.8. Sonntag
North by Northwest
USA 1959. Regie: Alfred Hitchcock.
Mit Cary Grant, Eva Marie Saint, James Mason, Leo G. Carroll, Martin Landau, Jessie Royce Landis, Edward Platt, Philip Ober. Vistavision. 136 min. OF.
"I am but mad north-northwest: when the wind is southerly, I know a hawk from a handsaw." Eine Zeile aus "Hamlet", die Hitchcocks Thriller den Titel gibt und den Schlüssel zur verrückten Geographie und der wahnwitzigen Handlung des Films liefert. "Der Kompaß scheint im Kreis zu wirbeln", schreibt Pauline Kael, "während das Geschehen querfeldein saust und die falschen Leute in den falschen Richtungen herumjagen." Held der Geschichte ist ein imaginärer Agent, vom US-Geheimdienst erfunden und mit dem Namen Kaplan, einem Hotelzimmer und einem Schrank voller Anzüge ausgestattet. Die feindlichen Spione halten den Werbefachmann Roger O. Thornhill (Cary Grant) für Kaplan – schon sein abgekürztes Initial verrät, daß er ganz unbedarft und nichtsahnend in die Geschichte stolpert. Highly entertaining, Essenz und Zusammenfassung von Hitchcocks amerikanischer Phase.
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16.8. Montag
Forbidden Planet
USA 1956. Regie: Fred M. Wilcox.
Mit Walter Pidgeon, Anne Francis, Leslie Nielsen, Warren Stevens, Jack Kelly, Earl Holliman, Richard Anderson. 98 min. Cinemascope. OF.
Shakespeares "Sturm", verlegt auf den fernen Planeten Altair IV. Dort findet ein Raumkreuzer der Erde ein verlorenes Schiff der eigenen Flotte, dessen Besatzung bis auf den Wissenschaftler Morbius und seine jungfräuliche Tochter Altaira ums Leben gekommen ist. – Die alte Geschichte vom Wissenschaftler, der das Böse in die Welt setzt und es später in Allianz mit den Militärs wieder zu beseitigen sucht; aber auch ein Science-Fiction-Film, in denen es vorrangig um die Darstellung von Ideen und Gefühlen geht. Die äußeren Vorgänge als Traumprojektion persönlicher Schicksale, sinnfällig begleitet und kommentiert von Louis & Bebe Barrons faszinierenden elektronischen Klängen.
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17.8. Dienstag
Days of Being Wild
Hong Kong 1990. Regie: Wong Kar-wai.
Mit Leslie Cheung, Andy Lau, Maggie Cheung, Carina Lau, Rebecca Pan, Jacky Cheung, Tony Leung. OmU.
Das Hong Kong der frühen sechziger Jahre. Westliche Einflüsse – Filme, Kleidung, Rock’n‘Roll – beginnen sich immer stärker bemerkbar zu machen. Wong Kar-wai portraitiert eine lose Gruppe von jungen Leuten, ziellos, unfähig zu tiefen persönlichen Beziehungen. Im Zentrum: der "Rowdy" Yuk, der sich nach einem Streit mit seiner vermeintlichen Mutter aufmacht, seine wahren Eltern zu suchen. Die sechs größten Stars der beginnenden neunziger Jahre, total gegen ihr Image besetzt, in einem in grünes Licht getauchten Film, der fast völlig auf Action verzichtet: ein formal wegweisender, radikaler Einschnitt in der Geschichte des Hong-Kong-Kinos.
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18.8. Mittwoch
Welcome to L.A.
USA 1977. Regie: Alan Rudolph.
Mit Keith Carradine, Sally Kellerman, Geraldine Chaplin, Harvey Keitel, Lauren Hutton, Viveca Lindfors, Sissy Spacek. 106 min. OmU.
"The city of the one night stands": Los Angeles als Schauplatz eines sexuellen Reigens. Rudolphs Regiedebüt, von seinem Mentor Robert Altman produziert, verarbeitet dieses wohlbekannte Muster zu einer fragmentarisch erzählten Ballade der Entfremdung und episodischen Melancholie. Keith Carradine, Songwriter, kehrt nach L.A. zurück, geht flüchtige Beziehungen mit einigen Frauen ein. Warme Farben, Abend- und Morgensonne im Gegenlicht und die traurigen Lieder von Richard Baskin heben die Handlung aus dem realistischen Kontext, schaffen eine traumartige Atmosphäre, in der oberflächliche Kontakte existentielle Kraft gewinnen. Ganz am Schluß setzt sich der "Held" selbst ans Klavier, singt und schaut dann direkt in die Kamera – als wüßte er selbst mit seinem planlosen Leben nicht mehr weiter.
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19.8. Donnerstag
It‘s Only Money
USA 1962. Regie: Frank Tashlin.
Mit Jerry Lewis, Joan O‘Brien, Zachary Scott, Jack Weston, Jesse White, Mae Questel, Ted de Corsia. 84 min. OmU.
Lester March ist Waise, träumt davon, Privatdetektiv zu sein und repariert beruflich Fernsehapparate. Jerry Lewis spielt ihn, und tatsächlich einzigartig wie unübertroffen komisch gelingt ihm das in der Rolle als Techniker und zugleich Opfer des modernen Lebens. Wenn das elektronisch organisierte Haus verrückt zu spielen beginnt, Staubsauger ein Eigenleben entwickeln und Rasenmäher wie wild durch die Gegend rasen, ist das in erster Linie Frank Tashlin pur: Kein anderer amerikanischer Regisseur hat den Irrwitz spätkapitalistischer Existenz besser auf den Punkt gebracht als der vormalige Cartoonist aus Weehawken, New Jersey.
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Archiv
1999
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